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Rassismusfreie Sprache München und Berlin streichen den Begriff "Schwarzfahrer" – nicht alle finden das gut

Zwei Menschen suchen im Zug nach einem Platz
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland fordert, den negativen Begriff des "Schwarzfahrens" durch den Begriff "Fahren ohne Fahrschein" zu ersetzen
© Leo Patrizi / Getty Images
Der Begriff "Schwarzfahrer" für Menschen, die ohne einen gültigen Fahrschein ein öffentliches Verkehrmittel nutzen, geriet unter Rassismusverdacht. Zwei Nahverkehrsbetriebe reagierten nun.

Die Verkehrbetriebe von München und Berlin entschieden sich, zukünftig auf die Wortwahl "Schwarzfahrer" zu verzichten, da sich dadurch Menschen rassistisch beleidigt fühlen könnten.

Schwarzfahren bezeichnet im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch die Nutzung von Zug, Bus oder auch Straßenbahn, ohne den dafür erforderlichen Fahrpreis zu entrichten. Die Verbindung der Farbe Schwarz ist hier eindeutig – in ethischer Hinsicht – mit etwas Negativem, nämlich dem bewussten Nichtentrichten der geforderten Gebühr für die Fahrkarte, verbunden.

"Schwarzfahrer" kann durch "Fahren ohne Fahrschein" ersetzt werden

Schwarz als Begriff für eine dunkle Hautfarbe ist daneben ebenfalls eine gängige Bezeichnung. Die insofern doppelte Bedeutung von schwarz kann dazu führen, dass die beleidigende Wirkung sich auch auf Menschen mit dunkler Hautfarbe beziehen lässt und dadurch zu einer rassistischen Beleidigung wird. Um diese Wirkung zu vermeiden, beschlossen nun die öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in München (MVG) und Berlin (BVG), auf den Begriff schwarzfahren gänzlich zu verzichten. 

Die BVG führt dazu in einer Broschüre aus: "Antirassistische Interessenvertretungen weisen darauf hin, dass die Farbe 'schwarz' in der deutschen Sprache häufig in einem negativen/rassistischen Kontext verwendet wird (Bsp.: 'Wer hat Angst vorm schwarzen Mann'). Um eine derartige Verwendung nicht weiter zu forcieren, fordert z.B. die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), den negativen Begriff des 'Schwarzfahrens' durch den Begriff 'Fahren ohne Fahrschein' zu ersetzen.

Begriff stammt aus dem Jiddischen

In der Folge betonte die ISD, sie freue sich über die Ankündigung von MVG und BVG, künftig auf den Begriff "Schwarzfahren" zu verzichten. "Es ist begrüßenswert, denn der Begriff hat für schwarze Menschen einen negativen Anklang", sagte der Sprecher der Initiative, Tahir Della, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. "Es wird damit assoziiert, dass Schwarzes für etwas Negatives steht."

BVG und MVG hatten zuerst der "Bild"-Zeitung bestätigt, die zuerst über die Neuerung berichtet hatte, Fahren ohne gültigen Fahrschein nicht mehr als Schwarzfahren zu bezeichnen. Der Begriff kommt in diesem Fall allerdings nicht von der Farbe, sondern vom jiddischen Wort shvarts, das arm heißt.

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Sprache verändert sich

ISD-Sprecher Della sagte AFP, es sei bei vielen Begriffen so, dass diese ursprünglich anders angelegt waren. Sprache verändere sich aber. "Auch wenn Schwarzfahren überhaupt nicht rassistisch angelegt war, ist trotzdem die Wirkung bei Betroffenen, dass schwarz für etwas Negatives steht, für Kriminalität etwa oder Illegalität."

Deshalb sei es sinnvoll, den Begriff nicht mehr zu nutzen. Es sei auch sinnvoll, Sprache mit Blick auf ihre aktuelle Wirkung auf den Prüfstand zu stellen und immer wieder neu die Wirkung zu überprüfen. Della forderte, auch explizit schwarze Menschen anzuhören, wie sie entsprechende Bezeichnungen wahrnehmen.

Kritik daran äußerte der CSU-Politiker Peter Ramsauer via "Bild"-Zeitung: "Als ehemaliger Verkehrsminister kann ich nur noch den Kopf schütteln. Die haben doch alle einen Knall!"

Quellen:  Senatsverwaltung Berlin, "Bild"-Zeitung, AFP

km

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