Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bei seiner Abschiedsrede das getan, was er in seiner 15-jährigen Amtszeit fast bei jedem öffentlichen Termin getan tat: sich auf berühmte Philosophen berufen und sie zitiert. "Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich politische Freunde habe. Ich kann nicht alle nennen, aber ein paar schon", sagte der Grünen-Politiker beim Festakt im Neuen Schloss. Er zählte dann eine Reihe berühmter Denker auf - etwa Max Weber, Aristoteles und Immanuel Kant. "Und ja, auch Hobbes und Machiavelli. Das mag jetzt überraschen, weil sie vielen als kalte Machtstrategen gelten", sagte er. "Aber es waren eben auch brillante Analytiker des politischen Handelns - das sollte man nicht vergessen."
Niccolò Machiavelli (1469–1527) war ein italienischer Politiker und gilt als einer der einflussreichsten Denker der politischen Theorie. In seinem Werk "Der Fürst" beschreibt er nüchtern, wie Herrscher Macht sichern und ausüben können - damit wurde er auch zum Synonym skrupelloser Machtpolitik.
Kretschmann rechtfertigte seine Vorliebe zu den Philosophen. "Dass mir als Politiker solche Denker wichtig sind, gilt ein bisschen als Marotte", sagte er. Das sei aber nicht der Fall. "Weil ich der Überzeugung bin, dass sie unserem oft schnelllebigen politischen Alltag, dass sie dem die nötige Tiefe und Orientierung geben können."