Frau getötet
Endlich Bewegung in zwei Cold Cases - Mördern auf der Spur?

Ein 70-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft. (Symbolbild) Foto: Thomas Warnack/dpa
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Nach mehr als 40 Jahren gibt es endlich einen Verdächtigen: DNA-Spuren rücken einen Mann in einen Mordfall im Schwäbischen in den Fokus. Und auch zu einem Mord in Lahr gibt es nach 26 Jahren Hoffnung.

Da verschwindet ein neun Jahre altes Mädchen, als es an einem Automaten in Stuttgart für ihren Vater Zigaretten holen will. Die Leiche wird später gefunden, ihr Mörder hingegen nie. Im Schwarzwald wird eine teilweise verbrannte Frauenleiche entdeckt und auf dem Münsterplatz liegt die verstümmelte Leiche eines Mannes. All diese Fälle haben etwas gemeinsam: Sie gehören zu den mehr als 350 ungelösten sogenannten Cold Cases in Baden-Württemberg. Nun kann mindestens eines dieser teils jahrzehntealten Fragezeichen womöglich aus der Liste gestrichen werden. 

Denn mehr als 40 Jahre nach dem Fund einer nackten und an den Beinen gefesselten Frau neben einem Waldweg im schwäbischen Deggingen sitzt ein Mann hinter Gittern, der die damals 31-Jährige aus Sicht der Ermittler brutal ermordet haben könnte. Gegen den 70-Jährigen bestehe der dringende Verdacht, die Frau im Februar 1985 getötet zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Ulm mit. Er habe damit ein Sexualdelikt vertuschen wollen. 

Mit Sonde und Spezialfahrzeug

Mit Details halten sich die Ermittler zwar noch zurück. Sicher ist aber: In diesem Cold Case kommt der Haftbefehl nicht ganz überraschend. Denn bereits Anfang November war das Haus des Mannes in Schwendi (Kreis Biberach) aufwendig durchsucht und der Mann kurzzeitig festgenommen worden. Etliche mögliche Beweismittel wurden nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft sichergestellt und von der Kriminalpolizei Göppingen untersucht. Die Ermittler hatten damals unter anderem ein Spezialfahrzeug sowie eine Sonde eingesetzt, die Hohlräume entdecken kann. 

Der Mord an der Küchenhilfe hatte vor 41 Jahren für Aufsehen gesorgt. Sie war nach Polizeiangaben durch massive Gewalt gegen den Oberkörper und den Kopf ermordet worden. "Das Verletzungsmuster ähnelte dem eines Überrollens mit einem Kraftfahrzeug", hieß es dazu. 

Entscheidende Spur ist 40 Jahre alt

Entscheidend für die Spur zum heute 70-Jährigen dürfte eine 1985 gesicherte DNA-Spur gewesen sein. Denn: "Dass die Tötung des Opfers im Zusammenhang mit einem Sexualdelikt steht, ist sehr wahrscheinlich", hatte die Polizei bereits im vergangenen November mitgeteilt. 

Nun habe die Ermittlungsgruppe "Oberberg" beim Kriminalkommissariat Göppingen die in Schwendi beschlagnahmten Asservate geprüft und bereits vorhandene Beweismittel neu bewertet. Außerdem gebe es Erkenntnisse aus einem rechtsmedizinischen Sachverständigengutachten.

Unklar ist noch, ob gegen den 70-Jährigen weitere Vorwürfe im Raum stehen und ob er sich zu den bisherigen Ermittlungen und dem Mordverdacht geäußert hat. Polizei und Staatsanwaltschaft machten bislang auch keine Angaben dazu, ob sich Opfer und Tatverdächtiger kannten.

Weitere Hoffnung in Lahr 

Nicht der einzige Cold Case, bei dem es derzeit Bewegung gibt: Hoffnungen macht sich auch die Kripo in einem seit mehr als einem Vierteljahrhundert ungelösten Mordfall aus Lahr (Ortenaukreis). Im Januar 2000 war ein 39 Jahre alter Narkosearzt tot in einem Gebüsch aufgefunden worden – er war erwürgt worden. Der Mediziner hatte kurz zuvor das Lahrer Herzzentrum verlassen und wollte wohl zum Bahnhof. Doch dort kam er nie an.

Nach Angaben von Ermittlern gibt es nun einen Verdacht. Details wurden aber nicht genannt. Überdies könne der Ablauf des Verbrechens inzwischen besser nachgezeichnet werden, teilte die Kriminalpolizei Offenburg mit. 

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" sagte Kriminaldirektor Steffen Siefert am Mittwochabend, zuletzt seien die männlichen Mitarbeiter der Klinik ins Visier genommen worden. "Es stehen bestimmte Personen aus dem beruflichen Umfeld des Opfers im Fokus." Um die Ermittlungen nicht zu beeinträchtigen, könne er aber keine Einzelheiten nennen. 

Polizei: "Täter und Opfer kannten sich"

Vor wenigen Tagen hatte die Kriminalpolizei mitgeteilt, es lägen inzwischen neue Hinweise vor. "Es konnten DNA-Spuren extrahiert werden, die möglicherweise vom Täter oder von dessen Umfeld stammen", sagte Siefert nun im ZDF. 

Nach seinen Angaben haben sich zudem im vergangenen Jahr mehrere Zeugen gemeldet und Hinweise zu dem Fall gegeben. Darunter sei auch "eine interessante Wahrnehmung" am mutmaßlichen Tatort, dem Lahrer Bahnhof, gewesen. "So konnten wir uns ein Bild vom Tatgeschehen machen und das Ermittlungsverfahren jetzt nochmal neu aufrollen." So seien sich die Ermittler inzwischen sicher, dass Täter und Opfer sich bereits an der Herzklinik begegnet sind. "Die Zeitläufe lassen gar keine andere Interpretation zu", sagte Siefert. 

Außerdem gehe die Polizei nicht von einer von langer Hand geplanten Tat aus. "Es handelte sich eher um einen Streit, der eskalierte", sagte Siefert in der ZDF-Sendung. Laut Polizei wurde eine Belohnung von 3.000 Euro ausgesetzt.

dpa