Jucken oder Schmerzen im Genitalbereich, Beschwerden beim Wasserlassen, veränderter Ausfluss aus Scheide oder Penis: Wer solche Warnsignale bemerkt, sollte sich auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen.
Während die Zahlen gemeldeter Fälle von HIV und Gonorrhö (Tripper) im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg jeweils leicht gestiegen sind, gingen sie bei Syphilis deutlicher zurück. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor, auf die das Landesgesundheitsministerium verweist. Für diese sexuell übertragbaren Erkrankungen besteht eine anonyme Meldepflicht.
HIV
Den Angaben zufolge wurden im vergangenen Jahr aus Baden-Württemberg 408 HIV-Infektionen gemeldet. In den beiden Vorjahren lagen die Zahlen mit 337 beziehungsweise 392 teils deutlich darunter. Hingegen waren es im Jahr 2022 mit 441 Fällen knapp drei Dutzend mehr.
Die Abkürzung HIV steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Eine Infektion schädigt oder zerstört bestimmte Zellen der Immunabwehr. Betroffene werden anfälliger für Erkrankungen. Unbehandelt kann das zu Aids führen. Wer hieran erkrankt, erleidet häufiger Lungenentzündungen und Pilzerkrankungen.
"Wenn HIV nicht medikamentös behandelt wird, führt die Infektion zur Immunschwächekrankheit Aids", heißt es beim Landesgesundheitsamt in Stuttgart. Bei erfolgreicher Therapie indes könne HIV nicht mehr übertragen werden, und das Immunsystem werde nicht weiter beschädigt.
Die Verhütung beim Sex mit Kondomen oder bei Frauen Femidomen gilt als wichtige Schutzmaßnahme vor einer Ansteckung. Mit der Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) mittels Tabletten steht laut dem RKI darüber hinaus ein hochwirksames Instrument zur Verhinderung von Infektionen zur Verfügung.
Das Institut hatte sich angesichts der auch deutschlandweit steigenden Zahlen in seiner jüngsten Analyse dafür ausgesprochen, vor allem die zielgruppenspezifischen Testangebote und den Zugang zu Therapie und Prophylaxe in der Fläche zu verbessern. Gerade Männer, die Sex mit Männern haben, und Menschen, die sich Drogen spritzen, seien von Neuinfektionen betroffen. Hier sei zum Beispiel der Zugang zu sterilen Utensilien für den Drogenkonsum wichtig. Aber auch mehr Frauen sollten sich durch PrEP schützen können.
Außerdem wies das RKI darauf hin, dass etwa ein Drittel aller neudiagostizierten HIV-Infektionen im Jahr 2024 erst mit einem fortgeschrittenen Immundefekt diagnostiziert worden sei, fast jede fünfte Infektion sogar erst mit dem Vollbild Aids. "Weitere Maßnahmen sind notwendig, damit Menschen mit HIV früher von ihrer Infektion erfahren und eine Therapie erhalten können."
Tripper
Die Zahl der Tripper-Fälle in Baden-Württemberg ist den Angaben nach von 76 in 2024 auf 87 im vergangenen Jahr gestiegen. Allerdings lag der Wert 2023 mit 98 höher. Da die Meldepflicht hier erst seit wenigen Jahren gilt, sind noch keine längeren Tendenzen abzulesen.
Die Gonorrhö wird durch Bakterien (Gonokokken) verursacht. Eine zugelassene Impfung gibt es laut dem Landesgesundheitsamt derzeit nicht. "Richtig angewendete Kondome und eine Reduktion von sexuellem Risikoverhalten können das Risiko einer Ansteckung deutlich vermindern."
Gonokokken werden demzufolge über Schleimhautkontakte übertragen, etwa bei analem, oralem oder vaginalem Geschlechtsverkehr sowie bei Zungenküssen. Auch Babys könnten sich während der Geburt bei einer infizierten Schwangeren anstecken. Zudem sei eine indirekte Übertragung über Petting oder Sexspielzeuge möglich, erklärte die Behörde. Brennen beim Wasserlassen sowie eitriger Ausfluss können einige der Folgen sein.
Eine Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Auch alle Sexualpartner der letzten Monate müssten diagnostiziert und behandelt werden. "Ein Sexverzicht ist bis zum Ende der Therapie zwingend notwendig."
Syphilis
Das RKI hat für das vergangene Jahr 868 Syphilis-Fälle aus Baden-Württemberg registriert. Das war demzufolge zwar ein Rückgang von 1.005 Meldungen im Vorjahr. Allerdings waren die Werte in den Vorjahren niedriger.
Wie Gonorrhö tritt diese bakterielle Erkrankung nur bei Menschen auf. Auch hier sind dem Landesgesundheitsamt zufolge neben Sex andere Übertragungswege bis hin zu unsachgemäßem Piercen und Tätowieren möglich. Man könne sich mehrfach infizieren, erklärt das RKI außerdem.
Nur etwa die Hälfte der Infektionen löst laut dem Gesundheitsamt Symptome aus, die mehrere Stadien durchlaufen können. Los gehe es mit einer Verhärtung an der Eintrittspforte, aus der sich ein hartes, schmerzloses Geschwür bilde. Später seien unter anderem Fieber, Gelenk- oder Muskelschmerzen möglich sowie hochinfektiöse, nicht juckende Hautausschläge oder Schädigungen des zentralen Nervensystems und der Blutgefäße.
In der Regel würden zur Behandlung Antibiotika in den Gesäßmuskel gespritzt. Eine Impfung gibt es nicht.