Nacht acht Jahren wählt Freiburg wieder einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Insgesamt acht Kandidaten und eine Kandidatin werfen dabei ihren Hut in den Ring für die Wahl am 26. April.
Freiburg ist mit mehr als 237.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Baden-Württembergs. Als Universitätsstadt, Wirtschaftsstandort im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz sowie als Oberzentrum in Südbaden ist die Stadt von überregionaler Bedeutung. Freiburg gehört zudem zu den am schnellsten wachsenden Städten im Ländle. Die Mieten gehören zu den höchsten im Südwesten, der Wohnungsmangel ist akut - und daher auch zentrales Thema im Wahlkampf.
Horn will zweite Amtszeit
Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) will nach acht Jahren im Amt weitermachen. Der 41-Jährige wird im Wahlkampf erneut von der SPD unterstützt. 2018 hatte er im zweiten Wahlgang Grünen-OB Dieter Salomon abgelöst. Sein zentrales Wahlkampfthema ist bezahlbarer Wohnraum. Horn verweist auf eine von ihm angestoßene Wohnbauoffensive, die nun erste Ergebnisse zeigen soll. Daneben betont er Verlässlichkeit und Kontinuität als seine wichtigsten Argumente für eine zweite Amtszeit.
Herausgefordert wird Horn unter anderem von Monika Stein (parteilos). Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) trat bereits vergangene Wahl an und holte damals die drittmeisten Stimmen. Die 55-Jährige erhält Unterstützung von einem breiten linken Bündnis, mit den Grünen hat sie zudem die größte Gemeinderatsfraktion hinter sich. Stein könnte die erste Frau im Chefsessel des Freiburger Rathauses werden.
Buntes Feld an Bewerbern
Unternehmer Achim Wiehle, ebenfalls parteilos, wird von der Freiburger CDU unterstützt. Er setzt laut eigener Aussage unter anderem auf wirtschaftlichen Aufschwung, Sicherheit und eine konsequentere Klimapolitik. Für die AfD tritt Gemeinderat Karl Schwarz an, der unter anderem das Schaffen von Wohnraum und die Straffung des Verwaltungsapparats als seine Ziele nennt.
Daneben kandidieren der Jurist Florian Braune (Freie Wähler), der unter anderem für kostenlosen Nahverkehr und eine Bürger-App wirbt, sowie der parteilose Lehrer Dejan Mihajlović, der Freiburg zu einer "Demokratiemodellstadt" machen möchte.
Drei weitere Bewerber machen den Wahlkampf noch bunter. Martin Borgmann von der Satirepartei "Die Partei" fordert unter anderem ein Windrad auf dem Münsterturm. Claudio Probst von der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands (APPD) setzt sich etwa für das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich ein. Student Wim Kölker tritt nach eigener Aussage ohne das Ziel an, gewählt zu werden – seine Kandidatur verstehe er als Satire-Aktion gegen die AfD.
Erhält keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, findet drei Wochen später eine Stichwahl statt. Sollte es dazu kommen, dürfen nur die zwei Bestplatzierten antreten - eine Regelung, die in Baden-Württemberg seit 2023 gilt und in Freiburg daher bei einer OB-Wahl erstmalig angewandt wird.