Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sich für besseren Schutz von Frauen vor Femiziden ausgesprochen, die mit dem Verstoß gegen die Familienehre begründet werden. "Ich möchte, dass alle Mädchen, alle jungen Frauen in Berlin, der Stadt der Freiheit, auch frei aufwachsen können", sagte Wegner bei einer Veranstaltung anlässlich des 21. Todestags der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü im Roten Rathaus zusammen mit deren Sohn Can Sürücü.
Sie war am 7. Februar 2005 in Tempelhof von einem ihrer Brüder erschossen worden, nachdem sie gegen den Willen ihrer Familie ihr Kopftuch abgelegt und einen Beruf gelernt hatte. Ihr Tod löste bundesweit Entsetzen und eine Diskussion um patriarchale Strukturen in muslimischen Einwandererfamilien aus.
Wegner forderte eine offene Diskussion über solche Zusammenhänge. "Ich glaube, es ist wichtig, Dinge beim Namen zu nennen, um Probleme zu lösen. Wenn ich zu einem Arzt gehe, der keine Diagnose stellt, wird er mich auch nicht behandeln können", sagte der CDU-Politiker. "Deswegen müssen sogenannte Ehrenmorde beim Namen benannt werden."
Wegner sagte, auch in Berlin gebe es Bedrohungen von jungen Frauen und Mädchen und Gewalt gegen sie. "Auch im Namen der sogenannten Ehre. Das passt nicht zu unserer freiheitlichen Art des Zusammenlebens. Das sind Dinge, wo wir ranmüssen, die wir nicht länger verschleiern dürfen."