Die Berliner Polizei hat in ihrer Kriminalstatistik des vergangenen Jahres 502.743 Straftaten erfasst - das waren 36.306 Fälle oder 6,7 Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote lag bei 44,9 Prozent. Ein Großteil der Taten waren Diebstähle. Eine große Rolle spielten auch Gewalttaten, Betrugsdelikte, Rauschgift, Internetkriminalität und politischer Extremismus, wie aus der Veröffentlichung hervorgeht.
Die offizielle Kriminalstatistik gibt nur einen Teil der tatsächlichen Verbrechen wieder. Viele Diebstähle, Rauschgiftdelikte, Betrügereien und Gewalttaten in Beziehungen und Familien werden nie bei der Polizei angezeigt und tauchen in keiner Statistik auf.
Diebstähle
In diesem Bereich zählte die Polizei rund 203.000 Taten, was einen deutlichen Rückgang um neun Prozent bedeutet. Weniger wurden etwa Ladendiebstähle (32.280), Fahrraddiebstähle (22.630) und Taschendiebstähle (rund 13.600).
Bei den Ladendiebstählen habe die moderne Überwachungstechnik der Geschäfte und mehr Personal geholfen, so die Polizei. Beim Kfz-Diebstahl seien Banden aus dem Ausland erfolgreich verfolgt worden. Auch beim Taschendiebstahl habe man 84 Haftbefehle umgesetzt und so den Rückgang bewirkt. Im Bereich des Fahrraddiebstahls sei die Vorbeugung mit Schlössern und Ortungstechnik wirksam.
Allerdings wurden deutlich mehr Einbrüche in Wohnungen verzeichnet. Die Polizei sprach von professionellen Täterbanden aus dem Ausland, vor allem Georgien, die in ganz Deutschland und sogar europaweit vorgingen.
Gewaltkriminalität - Gewalt in Beziehungen
Die Zahl der Gewalttaten wie Körperverletzungen lag in der Statistik bei rund 80.500 Fällen. Meistens ging es um Körperverletzungen. Die Zahl der Opfer von Taten in Partnerschaft und Familie stieg auf 20.160 (plus 5 Prozent). 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Gestiegen seien die Zahlen auch, weil Frauen, die Gewalt erleben, eher als früher zur Polizei gingen.
Die sogenannte häusliche Gewalt sei kein Tabuthema mehr, das zeige auch der Anstieg bei den Delikten, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Inzwischen müssten fünf Täter elektronische Fußfesseln tragen, um ihre Aufenthaltsorte zu überwachen, das mache das Berliner Sicherheitsgesetz nun möglich.
Schusswaffen
Deutlich mehr Straftaten wurden registriert, bei denen mit Schusswaffen gedroht oder geschossen wurde. Insgesamt erfasste die Polizei 1.119 Fälle (plus 68 Prozent), etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen. In 515 Fällen wurde geschossen (2024: 363). Zum Anstieg habe auch die seit 2025 verpflichtende, genauere Erfassung der Waffenverwendung beigetragen.
Senatorin Spranger betonte bei der Vorstellung der Zahlen: "Der deutliche Anstieg bei der Schusswaffenkriminalität ist für mich ein klares Warnsignal. Für illegalen Waffenbesitz und bewaffnete Auseinandersetzungen gilt in Berlin: Null Toleranz." Wenn Konflikte mit Schusswaffen ausgetragen würden, sei "eine rote Linie überschritten".
Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sagte, in den Zahlen seien nicht nur scharfe Schusswaffen, sondern auch Drohungen und Schüsse mit Schreckschuss- und Signalpistolen enthalten.
Weniger Messer-Straftaten in Verbotszonen
Insgesamt wurden im Bereich "Messerangriff" 3.599 Fälle registriert (plus 5,5 Prozent). Etwa die Hälfte waren Drohungen. Die Polizei ermittelte 1.906 Verdächtige. 86 Prozent waren männlich, 56 Prozent mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit.
Zugleich habe man mit der Strategie gegen Messerangriffe Erfolge in den drei neuen Messerverbotszonen Görlitzer Park und Kottbusser Tor in Kreuzberg sowie Leopoldplatz in Wedding erzielt, betonte Spranger. Hier habe es einen Rückgang von Messertaten zwischen 25 und 45 Prozent gegeben.
Vier verurteilten Messerstraftätern sei inzwischen wegen fehlender charakterlicher Eignung der Führerschein entzogen worden, so Spranger. Neun weitere hätten eine medizinisch-psychologische Untersuchung absolvieren müssen. Im Dezember sei fünf Menschen im Rahmen eines Pilotverfahrens das Tragen eines Messers verboten worden.
Sexualstraftaten
8.652 Straftaten (plus 16 Prozent) gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind Teil der Kriminalstatistik. Dazu gehören rund 2.100 Übergriffe, Nötigungen und Vergewaltigungen, sexuelle Belästigungen (1.357) und Missbrauch von Kindern (rund 1.000). Einen deutlichen Anstieg gab es bei Fällen mit Kinder- und Jugendpornografie aus dem Internet, besonders wegen verstärkter Meldungen einer zuständigen US-Organisation, der solche Fälle von Internetanbietern gemeldet werden und die sie an die Polizei in Europa weiterleitet
Die Polizei erklärte, viele Taten in diesem Bereich würden aus persönlichen Gründen nicht angezeigt. Man bemühe sich sehr, mit Aufklärungskampagnen die Bereitschaft von Opfern oder Angehörigen zu Anzeigen bei der Polizei zu erhöhen, um das Dunkelfeld aufzuklären.
Rund 8600 politische Straftaten - Volksverhetzung und Propaganda
Bei den politischen Taten gelangten 8.645 Fälle in die Kriminalstatistik, eine ebenso hohe Zahl wie im Vorjahr 2024. Oft waren es Volksverhetzung, Propagandadelikte oder das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen.
Einen deutlichen Anstieg gab es bei antisemitischen Straftaten. Registriert wurden 2.268 Fälle (+ 24 Prozent). Grund waren der Nahostkonflikt und antisemitische Beleidigungen und Hassbotschaften bei Demonstrationen, in der Öffentlichkeit und über das Internet.
Mehr Gewalt von Rechts- und Linksextremisten
Auffällig war, dass mehr rechtsextreme Gewalttaten erfasst wurden, oft von rechtsradikalen Jugendlichen-Gruppen, die früher vor allem im Internet aktiv waren, aber nun auch in der Öffentlichkeit agieren und politische Gegner angreifen, hieß es.
Mehr Gewalt wurde aber auch auf der linksextremen Seite gezählt, die Taten stiegen um 100 auf 237 Fälle. Dazu gehörten Angriffe und Widerstandshandlungen gegen Polizisten.