Nach Stromausfall Kritik auf Bürgerversammlung an Wegners Krisenmanagement

Im Zuge der Gesprächsreihe "Kai Wegner vor Ort" stellt sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) regelmäßig Fragen
Im Zuge der Gesprächsreihe "Kai Wegner vor Ort" stellt sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) regelmäßig Fragen von Bürgerinnen und Bürgern. Foto
© Britta Pedersen/dpa
Nach dem großen Stromausfall in Berlin äußern Bürger Kritik an Kai Wegners Agieren. Wie der Regierende Bürgermeister sein Handeln auf der Versammlung begründet.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sich auf einer Bürgerversammlung im Bezirk Steglitz-Zehlendorf einige Kritik an Krisenmanagement beim großen Stromausfall anhören müssen. Ein Teilnehmer hielt Wegner vor, er habe als Regierungschef zu spät reagiert und es bis heute versäumt, sich dafür sowie für "menschliche Verfehlungen" zu entschuldigen. Eine Frau verwies auf Wegners Tennismatch am ersten Tag des Blackouts am 3. Januar. "Hätten Sie nicht Tennis gespielt, hätten Sie auch telefonieren können", sagte sie. 

Zuvor war Wegner bei der Versammlung darauf eingegangen, dass er am ersten Tag nicht in den vom Stromausfall betroffenen Stadtteilen präsent war. Er begründete das unter anderem damit, dass er im Krisengebiet nicht hätte telefonieren können, weil neben dem Strom auch das Handynetz ausgefallen war. 

"Ja, es wäre für mich persönlich vielleicht besser gewesen, jetzt auch gerade in der Nachberichterstattung, wenn ich gleich am Samstag hier gewesen wäre", sagte Wegner. "Es hätte den betroffenen Menschen aber nichts gebracht. Nur mir persönlich ein Foto auf Social Media."

"War auch beim Tennis erreichbar" 

Auf die Kritik auf der Bürgerversammlung reagierte Wegner ähnlich wie in der vergangenen Woche bei seiner Regierungserklärung im Abgeordnetenhaus. "Ja, ich habe tatsächlich eine Stunde Sport gemacht zwischendurch." Er sei dabei aber per Handy erreichbar gewesen, dieses sei auf laut gestellt gewesen. Sein Fokus war demnach, dass die Betroffenen so schnell wie möglich wieder Strom und Wärme bekommen. "Und ich glaube, dass dieser Fokus auch richtig war."

Rasche Videoüberwachung für neuralgische Punkte 

Bei dem Termin der Gesprächsreihe "Kai Wegner vor Ort" in Berlin-Dahlem forderte Wegner erneut, schnell Lehren zu ziehen aus dem durch einen Anschlag ausgelösten Stromausfall. Kritische Infrastruktur müsse besser geschützt, Abläufe und Strukturen im Zivil- und Katastrophenschutz müssten kritisch hinterfragt werden. 

Wegner kündigte in dem Zusammenhang an, dass neuralgische Punkte im Stromnetz schon sehr bald mit Kameras überwacht werden sollen. "Wir wollen in der nächsten Woche erreichen, dass hier überall Videoschutzmaßnahmen sind."

100.000 Menschen ohne Strom

Wegen eines mutmaßlich von Linksextremisten begangenen Brandanschlags auf eine Kabelbrücke am 3. Januar waren 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe vielfach tagelang ohne Strom. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt.

dpa