Wenn Politiker Fehler machen, dann ist der Shitstorm meist groß. Als Person des öffentlichen Lebens und Amtsträger oder Amtsträgerin sind Fehltritte häufig ein Grund für einen Rückzug. Vor allem dann, wenn der eigene Umgang mit den Pannen danach auch noch misslingt. Kanzleranwärter Armin Laschet war so ein Beispiel oder auch Ex-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. In Berlin könnte nun der Regierende Bürgermeister Kai Wegner die Liste erweitern.
Im Südwesten der Hauptstadt hatten rund 100.000 Menschen seit Samstagfrüh bei Minusgraden ohne Strom ausharren müssen. Mittlerweile ist die Krise ausgestanden – zumindest für die Bewohner. Nicht aber für Wegner: Der CDU-Politiker hatte über sein Krisenmanagement nicht die Wahrheit gesagt, wie sich nun herausgestellt hat.
Am ersten Tag der Katastrophe in der Hauptstadt, es war ein Samstag, habe er sich "weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt", sondern den ganzen Tag telefoniert, hatte Wegner am Sonntag kurz angebunden auf eine Journalistenfrage geantwortet. "Ich war zu Hause, habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen, im wahrsten Sinne, und habe dann koordiniert."
Kleine Politik-Pannen können große Folgen haben
Nur stimmt das nicht so ganz: Wegner war am frühen Samstagnachmittag mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günter-Wünsch (CDU), auf dem Tennisplatz. In einem TV-Interview am Mittwochabend räumte Wegner seine Sportpause ein, nachdem zunächst der RBB und dann unter anderem auch der stern darüber berichtet hatten.
Solche Details werfen kein gutes Licht auf einen Hauptstadtbürgermeister, der sich schon in den ersten Stunden des historischen Blackouts die Frage gefallen lassen musste, warum die Behebung des Schadens so viel Zeit brauche. Entsprechend fielen die Reaktionen aus: FDP und AfD in Berlin fordern nun Wegners Rücktritt. Viele sehen die Tage des CDU-Politikers als gezählt an. Der grüne Bezirksverordnete für Steglitz-Zehlendorf, Daniel Eliasson, nahm es mit Humor: "Warum nicht das Hobby zum Beruf machen? Ich wünsche Kai Wegner alles Gute bei seinem weiteren Weg als Tennis-Profi. Bürgermeister ist er nicht mehr lange."
Wegner will den Rücktrittsforderungen offenbar nicht nachkommen: "Dass die Opposition das jetzt sagt, das kann ich nicht verhindern. Ich glaube, das Entscheidende ist, dass wir gezeigt haben, dass wir Krise können, dass die Berlinerinnen und Berliner in den betroffenen Gebieten jetzt wieder Strom und Wärme haben", sagte er dem RBB.
Ob er recht hat, muss sich erst noch zeigen. Sollte seine Tennisstunde ihn doch zu Fall bringen, wäre er nicht der erste Politiker, der sich selbst sabotiert hat. Beispiele sehen Sie oben in der Bildergalerie.