Ein Faible für Einkaufschips
Jürgen W. Möllemann (FDP) startet 1987 als Bildungsminister, 1991 wird er Wirtschaftsminister und von 1992 bis 1993 ist er zusätzlich Vizekanzler. In dieser Position katapultiert sich Möllemann mit einem folgenschweren Brief an mehrere deutschen Handelsketten ins politische Aus. In dem Papier mit dem Briefkopf des Wirtschaftsministeriums empfiehlt er den Unternehmen Kunststoffchips als Pfandmünze für die Einkaufswagen. "Ein pfiffiges Produkt", wie Möllemann es beschreibt. Der Haken: Die Chips werden von der Firma eines angeheirateten Vetters vertrieben. Dem Druck der Medien und anderer Parteien will Möllemann zunächst nicht nachgeben und dementiert die Geschichte – verzögert und unzureichend. Doch es hilft nichts: Am Ende gesteht er und tritt Anfang 1993 von seinen politischen Ämtern zurück. Anschließend leitet er die Firma WEB/TEC – Wirtschafts- und Exportberatung, ehe er im Jahr 2000 als Abgeordneter ins Parlament von Nordrhein-Westfalen gewählt wird, wo er bis zu seinem Tod 2003 sitzt
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