Mit einem großen Warnstreik hat die Gewerkschaft Verdi weite Teile des Nahverkehrs in Brandenburg lahmgelegt. "Wir haben eine ziemlich gute Streikbeteiligung - sogar höher als erwartet", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Germanus am Montagmorgen in Potsdam. "Es fährt fast nichts raus." Es sei "auf jeden Fall ein Erfolg" für die Gewerkschaft.
Aktionen in verschiedenen Städten
Vor den Toren des Verkehrsbetriebs Potsdam kamen laut Veranstaltern ungefähr 50 Personen zu einer Warnstreik-Versammlung zusammen. Mit Lagerfeuern und Musik hielten sich die Streikenden bei minus 8 Grad warm. Auch in anderen Städten in Brandenburg - wie in Cottbus - hatte die Gewerkschaft Aktionen organisiert. Im benachbarten Berlin fielen wegen eines Streiks der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ebenso Busse, Straßenbahnen und die U-Bahn aus.
In Potsdam werden heute Subunternehmer eingesetzt, wodurch einzelne Busse fahren können. Busfahrer und Streikführer Steffen Krauß wünscht sich mehr Solidarität. "Wenn Ausstand ist, dann ist Ausstand", so Krauß. Ihn frustriere besonders, dass der Job ein sehr undankbarer sei und die Beschäftigten im ÖPNV nur bemerkt würden, wenn der Nahverkehr nicht fahre.
Arbeitgeberseite sieht "unnötige Eskalation"
"Die Einigung wird nicht auf der Straße erreicht, sondern nur am Verhandlungstisch", sagte der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Brandenburg, Jens Schubert. Dieser Schritt stelle eine "unnötige Eskalation im Tarifstreit dar". Die Lohn- und Arbeitszeitforderungen der Arbeitnehmerseite seien "nicht zeitgemäß, nicht umsetzbar und auch nicht finanzierbar".
Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Beschäftigten die Absenkung der Arbeitszeit von 39 auf 36 Wochenstunden, eine Gehaltserhöhung von zwölf Prozent, mindestens aber 400 Euro. Außerdem soll es ein 13. Monatsgehalt und eine Erhöhung auf 32 Urlaubstage für die Beschäftigten pro Jahr geben. Die Ruhezeiten zwischen den Schichten soll von zehn auf elf Stunden angehoben werden.
16 Betriebe beteiligt
Beim Verdi-Warnstreik in Brandenburg beteiligten sich nach Verdi-Angaben 16 Unternehmen: die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft, Barnimer Busgesellschaft, Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder), Busverkehr Oder-Spree, Mobus Märkisch-Oderland Bus, Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn, Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft, Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel, Verkehrsbetrieb Potsdam, Regiobus Potsdam Mittelmark, Havelbus Verkehrsgesellschaft, Verkehrsgesellschaft Teltow Fläming, Cottbusverkehr, Spree-Neiße Cottbusverkehr, Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme Spreewald und die Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz.
Hinzu kam ein Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zwischen 7.00 Uhr bis 9.30 Uhr. Laut EVG war für diesen Zeitraum der Regionalverkehr im Nordwesten dadurch teilweise eingeschränkt.
Der Warnstreik endet laut Verdi in der Nacht zum Dienstag um 3.00 Uhr. Man gehe davon aus, dass der Nahverkehr dann wieder wie gewohnt in den einzelnen Verkehrsbereichen rolle, sagte eine Sprecherin.