Rinder-Diebstahl
Bauern geschockt: Viehdiebe holen 150 Rinder von Weiden

Viehdiebe schocken Landwirte in Südbrandenburg. (Symbolbild) Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Viehdiebe schocken Landwirte in Südbrandenburg. (Symbolbild) Foto
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Professionell agierende Viehdiebe stehlen immer wieder wertvolle Rinder von Weiden in Südbrandenburg. Der Schock bei Landwirten ist groß, die Regierung schaltet sich ein. Führt die Spur ins Ausland?

Die Viehdiebe kommen offenbar gezielt, organisiert und über Nacht: Innerhalb weniger Wochen sind dutzende Rinder von Weiden in Südbrandenburg verschwunden. Die Landwirte gehen von einer Serie aus, die auf das Konto professionell arbeitender Täter geht. 

Sie dürften mit großen Viehtransportern angerückt sein und Know-how im Umgang mit Rindern haben. In drei Fällen verschwanden insgesamt um die 150 Tiere von Weiden, darunter wertvolle Zuchtrinder. 

Minister treffen sich mit betroffenem Landwirt

Auch die Landesregierung schaltet sich ein und will mit Rinderhaltern über einen Schutz vor Viehdieben beraten. "Für die Tierhaltung in Brandenburg ist das ein schwerer Schlag, der viele verunsichert", sagte Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. "Solche kriminellen Machenschaften müssen schnell aufgedeckt werden." Mittelstädt und Innenminister Jan Redmann (CDU) fahren am Freitag zu einer betroffenen Agrargenossenschaft in Herzberg im Elbe-Elster-Kreis.

Die Polizei in Südbrandenburg prüft, ob die Fälle zusammenhängen, wie ein Sprecher sagte. Die Ermittler seien dabei, Spuren etwa von Reifenabdrücken auszuwerten. Auch mit der Polizei im benachbarten Polen gebe es einen Austausch.

Schlachtung im Ausland?

Landesbauernpräsident Henrik Wendorff hält es für wahrscheinlich, dass die Tiere illegal im Ausland geschlachtet werden, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Da muss man davon ausgehen, dass eine Truppe unterwegs ist, die das professionell macht."

Landwirt: "Das ist ein absoluter Schock"

Am Dienstag wurde die Polizei informiert, dass in dem kleinen Dorf Grano im Spree-Neiße-Kreis - nicht weit von der polnischen Grenze entfernt - Rinder von der Weide verschwunden seien. Der betroffene Landwirt sagte der dpa, es seien 31 Rinder gestohlen worden. "Das ist ein absoluter Schock. Es waren richtig hochwertige Zuchttiere." Die Tiere seien über Nacht mit einem Lkw abtransportiert worden. 

Der wirtschaftliche Schaden liegt nach Angaben der Polizei im sechsstelligen Eurobereich. Nach einer ersten Spurensicherung übernahm die Kriminalpolizei weiterführende Ermittlungen. 

Viele Weide-Tiere vor Wochen verschwunden

Erst vor einigen Tagen meldete die Polizei, dass im Örtchen Raddusch im Kreis Oberspreewald-Lausitz 48 Rinder gestohlen wurden. Der Wert: 75.000 Euro. Im Elbe-Elster-Kreis waren im April sogar 70 Weide-Rinder verschwunden, dort wurde der Schaden mit rund 50.000 Euro angegeben.

Bauernpräsident: Alle Rinder sind registriert

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Wendorff, sagte, eine legale Verwertung gestohlener Tiere innerhalb Deutschlands sei nahezu unmöglich. Denn jedes Rind trage eine Ohrmarke und sei in einer Datenbank erfasst. "Ohne Registrierung ist eine legale Schlachtung nicht möglich." Deshalb liege der Verdacht nahe, dass die Tiere ins Ausland gebracht werden, möglicherweise sogar außerhalb der Europäischen Union, meinte Wendorff. 

Für einen solchen Diebstahl sei ein spezialisierter Lkw für den Tiertransport notwendig. "Wenn man es professionell macht, kriegt man die Tiere in einer Nacht auch verladen", sagte der Verbandspräsident. Nicht nur der Wertverlust schockt dabei die Landwirte, sie fürchten um Zuchterfolge für besondere Rinderrassen. 

Mehr Kontrollgänge nötig

Der Bauernverband hält die Betriebe jetzt dringend an, die Kontrollgänge auf den Weiden zu verstärken und "technische Möglichkeiten der zusätzlichen Überwachung" zu erwägen. Zudem hoffen Polizei und Landwirte auf die Mithilfe von Anwohnern. 

Was können Anwohner tun? 

Sie sollten jede verdächtige Beobachtung, etwa von unbekannten Transportfahrzeugen, melden. "Viehherden, die durch unruhiges Verhalten wie plötzliches Aufstehen, Sammeln an einer Stelle oder Fluchtversuche auffallen, können ebenfalls ein Signal sein", hieß es. 

"Unsere Betriebe und unsere Nutzflächen sind den meisten Bewohnerinnen und Bewohnern in den benachbarten Dörfern bekannt. Wir bitten daher ausdrücklich darum, sich bei den Betrieben zu melden, wenn sie fremde Fahrzeuge oder Personen an Weiden, Ställen oder Zufahrten bemerken." Hilfreich sind laut Bauernverband Auskünfte zum gesichteten Fahrzeugtyp, zum Kennzeichen, zum Zeitpunkt der Beobachtung und eventuelle Personenbeschreibungen.

dpa