Im Block-Prozess hat der Verteidiger der angeklagten Unternehmerin die Hamburger Zimmer ihrer Kinder als Museum bezeichnet. "Zimmer, in denen die Zeit stehengeblieben ist", sagte Verteidiger Ingo Bott, nachdem die Vorsitzende Richterin im Landgericht Fotos aus dem durchsuchten Wohnhaus von Christina Block kurz zur Kenntnis hochgehalten hatte. Schulunterlagen, Schulranzen, Bilderrahmen - alles sei noch an seinem Platz. "Das ist wie ein Museum für eine Familie, die auseinandergerissen wurde." Das zeige den "überall anwesenden Schmerz".
Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die beiden jüngsten brachte der Vater nach einem Wochenendbesuch 2021 bei ihm in Dänemark nicht wie vereinbart zurück. Er erhob Gewaltvorwürfe gegen die Mutter, die diese bestreitet. Sie hat seither keinen Kontakt zu dem Jungen und dem Mädchen.
Block ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, die die Kinder in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark nach Deutschland entführt haben soll. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, beteuert ihre Unschuld.
"Frau Block kannte weder Tag noch Stunde."
Die Zimmer seien unverändert gewesen, nichts habe nach einer Willkommensparty ausgesehen, es seien vorher keine Lebensmittel oder neue Kleidung eingekauft worden - das alles zeige, seine Mandantin habe nicht gewusst, dass ihre Kinder zurückkommen, meinte Bott.
Der Chef der mutmaßlichen Entführer, David Barkay, hatte vor Gericht ausgesagt, Christina Block habe von der Rückholung Kenntnis gehabt, sei jedoch nicht in Einzelheiten eingeweiht gewesen. Block habe gewusst, was geplant sei, sagte auch Anwalt Sascha Böttner, Verteidiger eines 36 Jahre alten Israelis, der zu Barkays Team gehörte. Aber: "Frau Block kannte weder Tag noch Stunde." Darum sage etwa die Tatsache, dass es keine Willkommensparty gegeben habe, nichts aus.
Ohrringe hinter einem Schuppen
An diesem 41. Prozesstag wurden im Gerichtssaal zudem Fotos der Polizei aus der deutsch-dänischen Grenzregion gezeigt. Hinter einem Schuppen seien Ohrringe der damals 13-jährigen Tochter gefunden worden, sagte ein Kriminalbeamter als Zeuge zu einem Bild der Schmuckstücke. Der 50-Jährige war kurz nach der Tat mit einer Kollegin zu dem Ort bei Harrislee gefahren, den das Mädchen beschrieben hatte.
Sie hätten dabei eine Frau getroffen, die von einem parkenden Wohnmobil berichtet habe, das am 1. Januar verschwunden gewesen sei, berichtete der Polizist weiter. Laut Anklage wurden das Mädchen und ihr Bruder (damals 10) von maskierten Männern der israelischen Sicherheitsfirma an ihrem dänischen Wohnort in ein Auto gezerrt. Später seien sie durch einen Wald marschiert und sollten auf der deutschen Seite der Grenze in ein Wohnmobil steigen, das sie nach Süddeutschland brachte.
Einlassung eines weiteren Beschuldigten aus Israel
Mitten im laufenden Prozess hatten sich mehrere mutmaßliche Entführer bei den deutschen Ermittlungsbehörden gemeldet. Barkay und drei weitere Beschuldigte bekamen sicheres Geleit für ihre Zeugenaussage. Sie müssen auch mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Nun hat noch ein Teammitglied eine schriftliche Einlassung abgegeben, wie an diesem Prozesstag bekannt wurde. Der Mann habe jedoch kein sicheres Geleit bekommen, weil seine Rolle für das Verfahren nicht so entscheidend sei, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Er sei vermutlich weiterhin in Israel.
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.