Die Sanierung des historischen Dienstgebäudes der Hamburger Finanzbehörde geht planmäßig voran. „Wir liegen bei allen Arbeiten am Gänsemarkt, die im Übrigen enorm anspruchsvoll sind, voll im Zeit- und Kostenplan“, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Der ikonische Fritz-Schumacher-Bau von 1926 wird seit gut einem Jahr umfassend saniert. Abgeschlossen sein sollen die Arbeiten an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude im ersten Halbjahr 2028. Die geplanten Kosten belaufen sich auf 95,7 Millionen Euro.
Dienstgebäude 2023 für 119 Millionen Euro zurückgekauft
Die Stadt hatte das 21 000 Quadratmeter große und 2006 vom damaligen CDU-geführten Senat verkaufte Backsteingebäude 2023 für 119 Millionen Euro zurückgekauft und die Sanierung der städtischen Immobiliengesellschaft Sprinkenhof übertragen. Diese soll das Gebäude dann nach Abschluss der Bauarbeiten an die Behörde vermieten. Bis dahin sind rund 520 Beschäftigte der Finanzbehörde, des Rechnungshofs und des Amts Bezirksverwaltung in der ehemaligen Zentrale der Hamburger Sparkasse am Adolphsplatz untergebracht.
Beim Fritz-Schumacher-Bau müssen unter anderem die Elektrik, IT-Leitungen, die Heizungsanlage und Sanitäreinrichtungen erneuert werden. Hinzu kommen die Sanierungen der Kellersohle und der Dacheindeckung sowie energetische Maßnahmen – etwa die Installation einer nun 330 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage auf dem Dach, deren Ertrag laut Dressel mit etwa 62.000 Kilowattstunden künftig nahezu doppelt so hoch ausfallen soll wie ursprünglich geplant.
Eines der bedeutendsten Denkmäler der Stadt
Kultursenator Carsten Brosda (SPD) nannte das Dienstgebäude eines der bedeutendsten Denkmäler der Stadt. „Es steht für eine seinerzeit neue Art des Bürobaus und besticht noch heute durch seine künstlerische Qualität.“ Der Backsteinbau am Gänsemarkt 36 gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse des Wirkens des früheren Oberbaudirektors Schumacher in Hamburg. Der Architekt und Stadtplaner hatte das Gebäude speziell für die Nutzung der Finanzbehörde - damals noch Finanzdeputation genannt - entworfen.
Ebenfalls sanierungsbedürftig ist die Nord-West-Fassade am Haus der Patriotischen Gesellschaft von 1765 unweit des Rathauses. „Die Patriotische Gesellschaft ist ein Symbol für das bürgerschaftliche Engagement, das Hamburg seit jeher prägt“, sagte Dressel. Ziel der noch in diesem Jahr abgeschlossenen Sanierung sei, die Substanz des denkmalgeschützten Gebäudes langfristig zu sichern und für kommende Generationen zu bewahren. Die Kosten bezifferte die Finanzbehörde auf rund 620.000 Euro, wobei die Stadt davon rund 450.000 Euro übernimmt.
Fassade am Haus der Patriotischen Gesellschaft wird auch saniert
Kultursenator Brosda betonte, das Haus der Patriotischen Gesellschaft sei weit mehr als ein historisches Gebäude: „Es steht für demokratische Tradition, bürgerschaftliche Verantwortung und den Gemeinsinn unserer Stadt.“ Das Haus wurde ab 1844 nach Entwürfen von Theodor Bülau gebaut, 1924 erweitert und nach dem Zweiten Weltkrieg unter Leitung von Friedrich Ostermeyer wiederaufgebaut. Der heutige Reimarus-Saal diente unter anderem zwischen 1848 und 1850 als Tagungsort der verfassunggebenden Versammlung.