Handwerk, Kunst und Widerstand
50 Jahre Werkhof Kukate - Idee zur "Kulturellen Landpartie"

Goldschmied Peter Reddersen arbeitet seit mehr als 40 Jahren in seiner Werkstatt auf dem Werkhof Kukate. Foto: Philipp Schulze/d
Goldschmied Peter Reddersen arbeitet seit mehr als 40 Jahren in seiner Werkstatt auf dem Werkhof Kukate. Foto
© Philipp Schulze/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Von Himmelfahrt bis Pfingsten verwandelt sich das Wendland in eine große Kulturlandschaft. Auf dem Werkhof Kukate wurde die Idee der "Kulturellen Landpartie" geboren.

Der Werkhof in Kukate mitten im Wendland steht für die Idee und Geschichte der "Kulturellen Landpartie" (KLP). Auf dem Gelände von Inge und Michael Seelig in der Gemeinde Waddeweitz nahm die weitläufige Veranstaltung im Landkreis Lüchow-Dannenberg ihren Anfang. "Der Atommüll war bedrohlich, wir wollten zeigen, wofür wir stehen", erzählt Mitgründer Michael Seelig über die Anfänge, die aus der Protestbewegung gegen das Atommülllager in Gorleben entstanden. 

"Wir stehen für Kreativität und Offenheit, das ist die Motivation für die KLP", beschreibt er die Grundidee, die das gesamte Image des Landkreises entwickelt habe. In einer Ausstellung bis Sonntag zeigt der Werkhof die historische Entwicklung der jährlichen Großveranstaltung und die eigene Geschichte in "50 Jahre Werkhof Kukate". Sattler, Keramiker und Tischlermeister zeigen ihre Arbeiten, in der Webwerkstatt von Inge Seelig und Goldschmiedewerkstatt von Peter Reddersen werden Kursteilnehmer angeleitet. 

In Reddersens Werkstatt werden Gürtelschnallen aus Silber und Messing sowie historische Gewandnadeln gefertigt. "Ich bin hier seit über 40 Jahren dabei und leiste immer noch gern Hilfestellung bei der Herstellung von Schmuck", erzählt Reddersen. Mehr als 100 Personen hätten in Kukate über die Jahre unterrichtet, inzwischen sind es pro Jahr etwa 20, die von März bis November Kurse anbieten. Die Teilnehmer können auf dem Rundlings-Gelände auch übernachten.

300 bis 400 Kunstinteressierte werden täglich bis Sonntag in den Ausstellungsräumen erwartet. Zu den offiziellen Ausstellungsorten zählt Kukate bei der 37. KLP-Auflage nicht, dafür müsste der Hof bis Pfingstmontag Programm bieten. Das kann das kleine Team nicht leisten. In den nächsten Jahren will sich das einstige Lehrer-Ehepaar Seelig, das sich nach dem Brand ihres Hauses in Neu Wulmstorf (Landkreis Harburg) für Kukate entschied, langsam aus den Veranstaltungen zurückziehen. 

Kulturelle Widerstandspartie rund um Gorleben

An 78 verschiedenen Orten laden Ausstellungen, Vorführungen und Vorträge unter dem Motto "Zusammen.Wirken!" zur KLP ein. Kritische Aktionen gegen die Lagerung der Castor-Behälter veranstaltet die Bürgerinitiative (BI) Gorleben und ruft zur kulturellen Widerstandspartie am Freitag (22. Mai, 14.00 Uhr) in der Nähe des Bergwerks auf. "Immer noch flammt die Debatte um Atomkraft auf, die Suche nach einem Atommüllendlager dauert und in Gorleben soll die Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle für eine unbestimmte Zeit verlängert werden", sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Die Lagerstätte verliere 2034 ihre Genehmigung. Es soll eine Verlängerung geben. Selbst die Endlagerung sei im Wendland noch Thema, auch wenn Gorleben aus der Suche ausgeschieden sei. Die BI präsentiert erstmals ein Infozelt in Gedelitz in der Gemeinde Trebel. Fast täglich wird es Fahrradtouren und am Wochenende Treckertouren zu den Atomanlagen geben.

dpa