Närrischer Ausnahmezustand in Hessen: In vielen Städten und Gemeinden sind die Rosenmontagszüge durch die Straßen gezogen. Den Anfang machte um 10.11 Uhr der hessenweit einzigartige traditionelle Springerumzug in Herbstein im Vogelsberg. Am Nachmittag jubelten die Närrinnen und Narren unter anderem in Fulda und Seligenstadt (Kreis Offenbach) sowie in Kiedrich im Rheingau den Motivwagen, Fußgruppen, Garden und Musikkapellen zu.
Erst Schnee, dann Sonne
"Die Sonne scheint, die Stimmung ist bestens", freut sich der Sprecher der Fastnachtsvereinigung Herbstein, Manuel Hensler, am Mittag. Mehrere tausend Menschen hätten sich auch von Schnee und Kälte nicht davon abhalten lassen, dem Bajazz, den Pärchen und anderen Teilnehmern des Sprungtanzes zuzujubeln. In der Nacht zum Rosenmontag seien ein paar Zentimeter Neuschnee gefallen, doch die Stadtreinigung habe die Straßen und Wege schnell freigeräumt, so dass sich der Zug wie geplant in Bewegung setzen konnte, so Hensler.
Gäste aus Tirol bei Springerzug im Vogelsberg
Angeführt wurde der Springerzug in diesem Jahr von Bajazz Julian Herrmann. Für die Rekordsumme von 11.110 Euro hatte der 33-Jährige das ehrenvolle Amt ersteigert. Tiroler Steinmetze brachten die Tradition des Springerzugs im 17. Jahrhundert nach Herbstein, als sie Restaurationsarbeiten an der Stadtmauer vornahmen. Gut ein Dutzend Ehrengäste aus Tirol feierten in diesem Jahr in Herbstein mit, wie Hensler erzählte.
Beim größten Rosenmontagszug Hessens verfolgten wieder Zehntausende Fastnachtsfans das Vorbeiziehen von Fußgruppen, Garden und Musikkapellen. Mit über 260 Zugnummern und mehr als 4.200 Teilnehmenden sollte der Umzug in diesem Jahr noch größer als der Zug vor einem Jahr sein. Besonders dicht gedrängt standen die Zuschauer im Kneipenviertel, dem sogenannten Bermudadreieck, und feierten ausgelassen mit.
Babys mit Schallschutz, kostümierte Hunde und Narren auf Stelzen
Farbenfrohe Luftballons an Gartenzäunen und Hausfassaden, Närrinnen und Narren mit Babys mit dicken Kopfhörern als Schallschutz im Arm, bunt kostümierte Hunde: Auch das Weindorf Kiedrich bot einen bunten Rosenmontagszug als einen der größten im Rheingau.
Mit rund 40 Zugnummern und etwa 500 Teilnehmern schlängelte sich der närrische Lindwurm unter dunkelgrauem Himmel mit fröhlicher Musik und lauten Helau-Rufen durch die Straßen. Die Organisationen hatten 10.000 bis 15.000 Zuschauer erwartet. Diese bejubelten Narren auf Stelzen, Clowns auf XXL-Rädern und im Miniformat die nicht immer pünktliche Regionalbahn auf der Rheingaulinie.
Auch in "Schlumberland" (Seligenstadt im Kreis Offenbach) ist Rosenmontag der höchste Feiertag der Karnevalisten. Mit rund 100 Zugnummern und regelmäßig bis zu 40.000 Zuschauern ist der Seligenstädter Rosenmontagzug einer der größten und buntesten Umzüge im Rhein-Main-Gebiet.
Beim Rosenmontagszug in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis), einem der größten in Nordhessen, wurde ebenfalls ausgelassen gefeiert. Das närrische Treiben in der Stadt lockte laut Polizei rund 8.000 Zuschauer an.
Klaa Paris und Dieburg am Fastnachtsdienstag
Bevor an Aschermittwoch dann bekanntlich wieder alles vorbei ist, geht es am Fastnachtsdienstag im Frankfurter Stadtteil Heddernheim (Klaa Paris) wieder hoch her. Und auch die Dieburger zeigen mit ihrem großen Umzug (13.33 Uhr), warum die südhessische Stadt zurecht als Karnevalshochburg gilt. Auch dort verfolgen jedes Jahr Zehntausende Besucherinnen und Besucher den farbenprächtigen und ideenreichen Umzug der Fastnachtsgruppen.
Infos zum Fastnachtsumzug Frankfurt