Die Fans von Eintracht Frankfurt zogen unter die Zusammenarbeit mit Albert Riera schon einmal einen Schlussstrich mit unmissverständlicher Botschaft. Ein Banner mit den Worten "Nada de gracias, Alberto" rollten sie zum Saisonende in der Fußball-Bundesliga aus. Übersetzt heißt das so viel wie "Danke für Nichts, Alberto". Die Anhänger haben mit dem Coach abgeschlossen. Und die Vereinsverantwortlichen der Eintracht?
Die wichen in Person von Sportvorstand Markus Krösche zumindest direkt nach dem 2:2 am letzten Spieltag zu Hause gegen den VfB Stuttgart der heiklen Trainerfrage erneut aus. "Ich werde heute mit Ihnen nicht über Personalien sprechen", antwortete Krösche auf die Frage, ob Riera zum letzten Mal in einem Spiel die Eintracht betreut habe. Eine Trennung aber scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Kaum noch jemand im Umfeld der Frankfurter glaubt an einen Verbleib des exzentrischen und wortgewaltigen Spaniers.
Es sei "keine einfache Saison" gewesen, betonte Mittelfeldspieler Mario Götze. Trotz einer Vertragsverlängerung im Frühjahr bis Sommer 2028 war er nur Ergänzungsspieler unter Riera. Gegen den VfB durfte er erstmals seit Anfang März wieder von Beginn an ran. "Am Ende geht es ja immer darum, Spiele zu gewinnen", äußerte Götze. Und das gelang den Hessen unter Riera viel zu selten.
Krösche zieht ernüchternde Bilanz
Die Frankfurter blieben gegen Stuttgart zum fünften Mal in Folge sieglos und verpassten als Tabellenachter den Einzug in den Europapokal - und damit auch ihr Saisonziel. Zuletzt spielte die Eintracht in der Saison 2020/2021 nicht international. "Wir sind natürlich schon enttäuscht über die ganze Saison", sagte Krösche. "Wir haben einfach über die letzten Wochen und Monate einfach nicht unsere Qualität auf den Platz bekommen. Wir waren nicht stabil genug, waren zu schwankend in unseren Leistungen, nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern auch während der 90 Minuten."
Ausgerechnet Stürmer Jonathan Burkardt sorgte mit zwei verwandelten Elfmetern dafür, dass die Eintracht nach einem 0:2-Halbzeitrückstand nicht erneut verlor. "Wir als Führungsgruppe, als Führungsspieler haben ein Stück weit einen schlechten Job gemacht in dieser Saison. Ich glaube, dass wir es nicht geschafft haben, eine Einheit zu sein", sagte der in der 60. Minute eingewechselte Angreifer beim Pay-TV-Sender Sky.
Burkardt: "Da stimmt gerade vieles nicht"
Das Verhältnis zwischen Burkardt und Riera gilt als besonders zerrüttet. "Man sieht ja auch, wöchentlich kommen Interna raus. Da stimmt gerade vieles nicht, muss man ganz ehrlich sagen. Ich glaube, dass sich bis zur nächsten Saison einiges ändern sollte und muss", sagte Burkardt und spielte damit auch auf eine an ihn verhängte Geldstrafe an, die an die Öffentlichkeit durchgesteckt wurde. Der 25-Jährige soll Riera Medienberichten zufolge beleidigt haben.
Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Burkardt Riera los ist. Krösche wolle zunächst alles "sacken" lassen. "Und dann werden wir natürlich in die Analyse gehen. Das ist ja auch ganz klar. Und dann schauen wir mal, wie wir es angehen", erklärte der 45-Jährige.
Schlechter war zuletzt Armin Veh
Die Riera-Bilanz mit vier Siegen, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen und einem Durchschnitt von 1,21 Punkten pro Begegnung spricht jedenfalls Bände - und nicht für den Spanier. Einen noch schlechteren Wert im Oberhaus hatte zuletzt Armin Veh in der Saison 2015/2016 (0,96 Punkte).
"Für Albert war das sicherlich keine einfache Situation hier bei uns. Das muss man ehrlicherweise sagen", stellte sich Krösche sogar noch teilweise schützend vor seinen Wunschtrainer. Doch auch das wird Riera vor einer Trennung nach nur dreieinhalb Monaten wohl nicht mehr retten.