Hochschulen Kommission empfiehlt mehr Zusammenarbeit in der Wissenschaft

Eine achtköpfige Expertenkommission hat ihre Vorschläge für eine Wissenschafts- und Forschungsstrategie für MV vorgelegt. (Archi
Eine achtköpfige Expertenkommission hat ihre Vorschläge für eine Wissenschafts- und Forschungsstrategie für MV vorgelegt. (Archivbild) Foto
© Stefan Sauer/dpa
Gleichartige Studiengänge an mehreren Hochschulen, zu wenig internationale Vernetzung - eine Kommission hat sich die Wissenschaftslandschaft in MV angeschaut. Sie gibt Empfehlungen.

Wissenschaftler und Forscher an den Hochschulen und außeruniversitären Instituten in Mecklenburg-Vorpommern sollten sich einer Expertenkommission zufolge intensiver absprechen. Auch mit der Wirtschaft sollte enger kooperiert werden, heißt es im Abschlussbericht der Kommission, der in Schwerin vorgestellt wurde.

Die achtköpfige, bundesweit besetzte Kommission hatte von Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) 2024 den Auftrag bekommen, Anregungen für eine Wissenschafts- und Forschungsstrategie für den Nordosten zu geben. Sie schlägt ein integriertes Wissenschaftssystem vor und damit "einen in der deutschen Wissenschaftspolitik durchaus neuen strategischen Ansatz", wie der Kommisionsvorsitzende Peter Strohschneider sagte.

Der Literaturwissenschaftler und ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft präsentierte den Bericht der Kommission in Schwerin. Das Papier bescheinigt der Wissenschaft in MV eine "gute, in einigen Bereichen eine beachtliche Leistungsfähigkeit". Doch es könnte besser sein.

"Abstimmungs- und Koordinationsdefizit"

Die Empfehlung für eine engere Zusammenarbeit betrifft etwa die Lehrangebote, die Forschungsaktivitäten und den Betrieb von Infrastrukturen. So bemängelt der 52-seitige Bericht, dass gleichartige Studiengänge parallel an zwei Landeshochschulen neu eingerichtet würden.

Es zeige sich ein "signifikantes Abstimmungs – und Koordinationsdefizit", schreiben die Wissenschaftsexperten um Strohschneider. Unverzichtbar sei eine aufgabenkritische Überprüfung der Studienangebote im Land, "die nach Auffassung der Kommission die medizinischen und pflegewissenschaftlichen Studiengänge nicht aussparen darf".

Jeder Achte studiert Medizin

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Mecklenburg-Vorpommern leistet sich zwei Universitätsmedizinen in Rostock und Greifswald. Dass das Land pro Studierendem 11.100 Euro ausgebe und damit einen Spitzenplatz einnehme, habe damit direkt zu tun, schreiben die Experten. "12 Prozent der Studierenden in Mecklenburg-Vorpommern sind Medizinstudierende", stellt der Bericht fest.

In der Forschung empfiehlt die Kommission, sich über landesweite thematische Schwerpunkte zu verständigen. Außerdem schlagen die Experten die Schaffung einer "Graduierten-Akademie Mecklenburg-Vorpommern" vor. "Vorbild könnten andernorts existierende Graduate Schools sein", schreiben sie in ihrem Bericht.

Graduierten-Akademie MV

Forschungstalente aus dem gesamten Land könnten so miteinander in den Austausch gebracht werden. "Damit dürfte die Qualität ihrer Arbeiten steigen." Langfristig könne solch eine Graduierten-Akademie auch internationale Strahlkraft entwickeln. Im Blick haben die Experten als organisatorisches Dach dabei das Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg der Uni Greifswald.

Innovationen für die Wirtschaft

Eine wichtige Aufgabe für die Wissenschaft im Land sieht die Kommission darin, Innovationen für die Wirtschaft zu liefern. Die Kleinteiligkeit der Unternehmenslandschaft erlaube den Firmen kaum, selbst zu forschen. "Gefordert ist eine Ausweitung und Intensivierung wirkungsvoller Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft", heißt es. Dazu müssten auch die zuständigen Ministerien der Landesregierung enger zusammenarbeiten.

Schließlich hält die achtköpfige Kommission den Ausbau der internationalen Beziehungen im Ostseeraum und seinen Anrainerstaaten für angezeigt. "Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass die Zusammenarbeit mit den nordwestpolnischen Wissenschaftseinrichtungen irgendwie blühe", sagte Strohschneider. "Warum eigentlich nicht?"

Gespräch mit Hochschulen

Die Ministerin kündigte Gespräche mit den Hochschulen über den Bericht der Kommission an. "Ein stark aufgestelltes Wissenschaftssystem in MV ist Voraussetzung und Antreiber für Wohlstand, Lebensqualität und demokratischen Zusammenhalt", sagte sie.

dpa

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