Das kleine Eiland Vilm vor der Südküste Rügens ist ein besonderer Ort: Ehemals Urlaubsrefugium der DDR-Regierung, ist das streng geschützte Naturschutzgebiet heute nur im Rahmen geführter Touren zugänglich. Oder für Mitarbeiter des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), das hier einen Standort hat. Aktuell kommen die Beschäftigten aber wegen der Eislage nicht per Schiff auf die Insel. Selbst der zuständige Hausmeister hat es schwer.
Eigentlich sollte er bereits vor einer Woche von Lauterbach auf Rügen übersetzen, um nach dem Rechten zu schauen. Es ging darum, "bauliche, technische und sicherheitsrelevante Komponenten der Gebäudeinfrastruktur zu kontrollieren, Funktionsstörungen und Sicherheitsrisiken – insbesondere durch frostbedingte Umwelteinflüsse – zu erkennen und drohende Havarien und Schäden für die Dienstliegenschaft abzuwenden", wie die Behörde in Bonn mitteilte.
Eisbrecher muss umkehren
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee (WSA) wollte mit seinem Eisbrecher "Görmitz" helfen und steuerte den Rügischen Bodden an. "Das Befahren der Wasserstraße war jedoch aufgrund der zu stark geschlossenen Eisdecke nicht durchführbar", so das BfN. Das Schiff musste kehrt machen, der Heizungscheck blieb aus und die Insel verwaist.
"Der Rügische Bodden ist nahezu vollständig zugefroren, weshalb die Insel Vilm gegenwärtig nicht erreichbar ist. Derzeit befinden sich keine Mitarbeitenden vor Ort", teilte das BfN mit.
Inzwischen sei es aber möglich gewesen, "dank der Amtshilfe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern die Dienstliegenschaft präventiv zu kontrollieren". Wie genau, erklärte das BfN nicht.
Normalerweise bringen laut BfN Boote des Bundes mit ganztägigem Fahrplan Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Insel, ebenso Tagungsgäste der dortigen Internationalen Naturschutzakademie des BfN.
Homeoffice statt Arbeit auf der Insel
Der Standort hat laut BfN 86 Beschäftigte. "Das Bundesamt für Naturschutz bietet flexible Arbeitszeiten mit Gleitzeitregelung und der Möglichkeit zum mobilen Arbeiten an, sodass die dienstlichen Aufgaben weiterhin wahrgenommen werden können."
Die nur 0,94 Quadratkilometer große Insel beherbergt eine einzigartige Natur. "Hier hat sich die Natur in einer Unberührtheit wie nur an wenigen Orten Deutschlands entwickeln können", erklärte das BfN. Wälder aus uralten Eichen und stattlichen Buchen konnten sich hier wegen des beschränkten Zugangs entwickeln.
Bereits 1812 wurde der Vilmer Wald demnach vor der Abholzung bewahrt. Fürst Wilhelm Malte zu Putbus sei es damals gelungen, Napoleonische Truppen vom Schlagen und Verkauf des Holzes abzuhalten.
Der Greifswalder Naturschützer Michael Succow erzählte einmal, wie er dafür sorgte, dass die Insel auch nach der Wende dem Naturschutz gewidmet wurde. Demnach sagte er zu einem Staatssekretär des BRD-Umweltministeriums: "Jetzt schlafen Sie da in dem Bett von Erich Honecker." Gut geschlafen habe der nach eigener Aussage damals nicht. Geschützt ist die Insel heute trotzdem.