Traditionsschiff
Kogge "Wissemara": Förderverein kämpft gegen Fahrverbot

Die "Wissemara" kam Ende vergangenen Jahres für Reparaturen auf die Werft in Stralsund. (Archivbild) Foto: Stefan Sauer/dpa
Die "Wissemara" kam Ende vergangenen Jahres für Reparaturen auf die Werft in Stralsund. (Archivbild) Foto
© Stefan Sauer/dpa
Wie geht es weiter mit dem stillgelegten Nachbau der Poeler Kogge? Der Förderverein möchte eine Lösung finden. Doch diese könnte mit enormen Kosten verbunden sein.

Der Förderverein der Kogge "Wissemara" strebt nach der Stilllegung des Schiffes an, das wegen technischer Mängel ausgesprochene Fahrverbot aufheben zu lassen. Am Mittwoch wurde der Schiffsboden durch einen Gutachter auf dem Volkswerftgelände in Stralsund erneut inspiziert, wie Gerd Lemke vom Förderverein sagte. 

Die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr hatte das Traditionsschiff bereits vergangenes Jahr wegen Sicherheitsmängeln stillgelegt. Ende des Jahres kam das eigentlich in Wismar beheimatete Holzschiff auf die Werft in Stralsund zur Reparatur. Dort hat die Dienststelle Schiffssicherheit nach eigenen Angaben das Schiff erneut in Augenschein genommen. 

Schäden durch Schädlingsbefall

Festigkeit und Wasserdichtheit des Schiffes seien stark beeinträchtigt, hatte Almut Wenge von der Dienststelle Schiffssicherheit gesagt. Schon in der Vergangenheit sei festgestellt worden, dass Holz durch Schädlingsbefall zerstört worden sei. Zuletzt sprach Wenge von gefährlichen strukturellen Schäden. Das Schiff sei nicht fahrtüchtig. Sogar ein Neubau wäre kostengünstiger, so Wenge. Auch Lemke vom Förderverein sagte, dass es wahrscheinlich um hohe Kosten ginge, die Höhe aber bislang nicht bekannt sei.

Kommenden Montag soll laut Förderverein ein Holzfachmann das Holz des Schiffes begutachten. In den Tagen danach soll es eine gemeinsame Begehung mit der Dienststelle Schiffssicherheit, Fachleuten des Vereins und Vertretern der Stadt Wismar geben.

"Vorrangiges Ziel ist es, Möglichkeiten zu erörtern, das aktuell ausgesprochene Fahrverbot aufzuheben und eine Zertifizierung, möglicherweise auch eingeschränkt, zu erreichen. Dabei steht insbesondere die Sicherheit im Vordergrund", so der Verein.

Nachbau aus Kiefernholz 

Der mehr als 30 Meter lange Nachbau der sogenannten Poeler Kogge ist aus Kiefernholz gebaut. Er kann nicht nur segeln, sondern auch mit einem Motor als Hilfsantrieb fahren. Die Kogge gastiert normalerweise etwa zur Hanse Sail regelmäßig in Rostock oder lädt ab Wismar auf Törns ein.

Grundlage für den Nachbau war ein in den 1990er Jahren in der Wismarbucht entdecktes Wrack. Lange ging man davon aus, es handle sich dabei um einen speziell für die Ostsee konzipierten Koggen-Typ aus dem 14. Jahrhundert. Nach Angaben des Landesarchäologen Detlef Jantzen ist dies allerdings nicht mehr der aktuelle Kenntnisstand. Demnach gehe man inzwischen davon aus, dass das gefundene Wrack von einem Schiff vermutlich aus den 1770er Jahren stamme. Davon unabhängig seien beim Bau der "Wissemara" mittelalterliche Schiffsbaumethoden angewandt worden.

dpa