Das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk Terre des Hommes schlägt angesichts der sinkenden staatlichen Ausgaben für Entwicklungshilfe Alarm: "Man kommt gar nicht darum herum zu sagen, es ist Alarmstufe Rot für Kinderrechte", sagte Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes Deutschland, in Osnabrück, dem Sitz der Geschäftsstelle. Unter der steigenden Zahl von Kriegen und bewaffneten Konflikten litten Kinder am meisten.
"Die Zahl der Kinder, die in bewaffneten Konflikten leben, ist auch noch einmal angewachsen auf jedes fünfte Kind weltweit", erklärte Hofert. Das seien doppelt so viele wie vor 30 Jahren. Insgesamt wachsen laut Terre des Hommes 520 Millionen Kinder in einem Kriegs- oder Krisenumfeld auf.
48 Millionen Kinder auf der Flucht
138 Millionen Kinder weltweit müssen der Hilfsorganisation zufolge arbeiten, davon 54 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen. 85 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule. Von den 122 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, sind 48 Millionen Kinder.
Hilfsleistungen seien zwar an vielen Orten noch möglich, aber unter massiv erschwerten Bedingungen. Es sei für die humanitären Helferinnen und Helfer in vielen Ländern zunehmend unsicherer zu arbeiten. "Wir müssen mehr machen und wir könnten durch auch mehr machen in diesen Ländern mit unseren Partnern vor Ort, aber uns fehlen am Ende oft die Mittel", sagte Hofert.
Spendenbereitschaft ist hoch
Dabei sei die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland nach wie vor hoch. Sorge mache ihm aber die Kürzung im Bundeshaushalt für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit und eine wachsende Stimmungsmache von Rechtspopulisten gegen Entwicklungshilfe.
Entwicklungshilfe sei kein großer Teil des Bundeshaushalts. "Wir reden hier nicht von ein, zwei oder drei Prozent des Bundeshaushalts, sondern es sind im Vergleich mit anderen Haushaltsposten sehr kleine Beträge, was Deutschland ausgibt", sagte Hofert. Für humanitäre Hilfe wende Deutschland gerade einmal eine Milliarde Euro auf, das sei halb so viel wie noch vor zwei Jahren. Trotz der vielen globalen Krisen seien seit 2022 mehr als 70 Prozent des Geldes für Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe gestrichen worden.
Studie: Zusätzliche Todesfälle wegen gekürzter Mittel
Hofert verwies auf eine kürzlich im Magazin "The Lancet" veröffentlichte Studie zu den zu befürchtenden Auswirkungen von Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe. Demnach ist zwischen 2002 und 2021 die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren bei höheren öffentlichen Entwicklungsleistungen um 39 Prozent gesunken, bei Todesfällen durch Mangelernährung habe der Rückgang sogar 56 Prozent betragen. Diese Effekte hätten sich besonders in armen Ländern gezeigt.
Laut Prognose der Autoren könnten die aktuellen Kürzungen der Entwicklungshilfegelder und ein anhaltend rückläufiger Trend im 2030 bis zu 22,6 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen, darunter 5,4 Millionen Kinder.
Aufforderung an Bundesregierung
Zusammen mit anderen NGOs fordere Terre des Hommes daher die Bundesregierung auf, die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe im Haushalt 2027 aufzustocken. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit brauche im kommenden Jahr einen Etat von mindestens 11,2 Milliarden Euro; die Finanzierung humanitärer Hilfe müsse auf mindestens 2,8 Milliarden Euro steigen.