Großbaustelle der Bahn
Nach 80 Wochen: Bahnstrecke am Niederrhein ist wieder frei

Die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen wird für den internationalen Güterverkehr ausgebaut. (Archivbild) Foto: Oliver Berg
Die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen wird für den internationalen Güterverkehr ausgebaut. (Archivbild) Foto
© Oliver Berg/dpa

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Mehr als eineinhalb Jahre war der Bahnverkehr am Niederrhein eingeschränkt. Dort entsteht ein Prestigeprojekt der europäischen Verkehrspolitik. Nun können Bahnreisende aufatmen - zumindest vorerst.

Nach mehr als eineinhalb Jahren Bauzeit ist am Niederrhein die Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen wieder frei. Die Streckensperrung sei in der Nacht zum Montag wie geplant aufgehoben worden, bestätigte ein Bahnsprecher. Zunächst fahren wieder Fern- und Güterzüge auf dem Abschnitt, der Regionalverkehr soll ab Dienstag nach regulärem Fahrplan funktionieren.

Die Strecke wird im Moment für den internationalen Güterverkehr aufwendig ausgebaut und bleibt noch für viele Jahre eine Großbaustelle. Allerdings sind laut Bahn erst einmal keine langen Sperrungen mehr geplant.

Herausforderung Wesel-Datteln-Kanal

Seit November 2024 war der 73 Kilometer lange Streckenabschnitt wechselweise ganz gesperrt oder nur eingleisig befahrbar. In dieser Zeit hat die Bahn auf einem Abschnitt ein drittes Gleis gebaut, die Technik erneuert, Bahnhöfe modernisiert und Schallschutzwände gebaut. 

Eine besondere Herausforderung für Ingenieure und Bauarbeiter war dabei die Überquerung des Wesel-Datteln-Kanals. Dort wurde eine Brücke gebaut, die nicht nur breiter, sondern auch 1,5 Meter höher sein sollte als die alte. Die zusätzliche Höhe war nötig, damit die immer größeren Schiffe auf der Bundeswasserstraße darunter durchpassen.

Weil aber die schweren Güterzüge nicht mit starken Steigungen klarkommen, mussten die Gleise auf mehreren Kilometern Länge zwischen Voerde und Wesel auf das neue Höhenniveau der Brücke angepasst werden. Dafür mussten auch andere Brücken, Oberleitungen und sogar ein Bahnhof angehoben werden.

Arbeiten für ein Prestigeprojekt der Verkehrspolitik

Der rund 73 Kilometer lange Abschnitt gehört zum europäischen Güterverkehrskorridor von Rotterdam nach Genua, einem zentralen Projekt der europäischen Verkehrspolitik. Die Pläne dafür wurden schon in den 1990er Jahren gefasst. Während die moderne Betuwe-Linie in den Niederlanden bis zur deutschen Grenze bereits 2007 fertiggestellt wurde, hängt Deutschland mit dem Ausbau um Jahrzehnte hinterher. 

Bis die für den internationalen Güterverkehr wichtige Strecke auch auf deutscher Seite durchgängig dreigleisig ausgebaut ist, wird es noch Jahre dauern.

dpa