Brandenburg
Kinderarzt wegen 130 Fällen sexueller Straftaten angeklagt

Ein Schild weist auf die Klinik der Havelland-Klinikgruppe in Rathenow hin
Der Kinderarzt wurde im November nach dem mutmaßlichen Missbrauch eines Kindes in einer Klinik in Rathenow, Brandenburg, festgenommen (Archivfoto)
© Elisa Schu / DPA

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Ein Kinderarzt in Brandenburg soll über zwölf Jahre Kinder sexuell missbraucht haben – viele der Taten sollen während seiner Arbeit in der Klinik geschehen sein.

Ein Kinderarzt an einer Klinik im Havelland in Brandenburg wird wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in 130 Fällen angeklagt. Hierzu zählen unter anderem die Vorwürfe des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Vergewaltigung, wie die Staatsanwaltschaft Potsdam am Mittwoch mitteilte. Einen Großteil der über einen Zeitraum von rund zwölf Jahren begangenen Taten soll der Beschuldigte „im Rahmen der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit“ begangen haben, wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte.

Der Kinderarzt sitzt seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Dimension der Taten war bislang nicht bekannt.

Im Januar dieses Jahres war bekannt geworden, dass der Arzt während des Dienstes im Krankenhaus in Rathenow, westlich von Berlin, ein Kind sexuell missbraucht haben soll. Nach der Anzeige der Mutter eines Kindes kam es zu Durchsuchungen durch die Polizei. Die Ermittler stellten eine Vielzahl von Datenträgern sicher. Die Staatsanwaltschaft prüfte rasch, ob es weitere Opfer gab. Als Haftgrund wurde auch Wiederholungsgefahr angeführt. 

Kinderarzt aus Brandenburg im November festgenommen

Der Mediziner war demnach bei einer Klinikgruppe tätig. Die Taten sollen sich zwischen 2013 und 2025 ereignet haben. Die Anklage erfolgte beim Landgericht Potsdam. Es muss den Fall nun prüfen und über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Der Beschuldigte befinde sich weiterhin in Untersuchungshaft.

Die Havelland-Kliniken hatten im Januar bereits angekündigt, ihre Schutzmechanismen zu überprüfen und den Fall mithilfe von Experten aufzuarbeiten. Bei der Untersuchung des Kindes sei das geltende Vier-Augen-Prinzip – wonach zwei Personen anwesend sein müssen – verletzt worden, hatte die Havelland-Klinikgruppe damals erklärt. Eine interne Aufarbeitung sei eingeleitet. „Die Vorwürfe erschüttern das Vertrauen von Patientinnen und Patienten und ihren Familien“, hatte der Ärztliche Direktor Mike Lehsnau gesagt.

AFP · DPA
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