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Rentnerrabatt im Supermarkt – gut gemeint, aber nicht der richtige Weg

Viele Rentner haben nur wenig Geld zum Einkaufen im Supermarkt zur Verfügung
Viele Rentner haben nur wenig Geld zum Einkaufen im Supermarkt zur Verfügung
© Jelena Stanojkovic / Getty Images

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In Brandenburg gewährt ein arabischer Supermarkt einen Rentnerrabatt von zehn Prozent. Eine großzügige Aktion, die aber ein systemisches Problem in Deutschland deutlich macht.

In Neuruppin in Brandenburg hat der Betreiber eines türkisch-arabischen Supermarktes allen Rentnern zehn Prozent Rabatt auf Einkäufe (Tabakwaren ausgenommen) eingeräumt – auf unbestimmte Zeit. In der Region sorgte das für Aufsehen. Das Portal T-Online etwa fragte sogleich bei den großen Supermarktketten nach, ob das nicht auch bei ihnen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen eine Option wäre. Die Antwort: Nein, Rentnerrabatte plane keine von ihnen.

Der Schritt der Marktbetreiber des Teiba-Marktes zeugt von Empathie und Großzügigkeit und verdient nichts als Anerkennung. Dennoch wäre ein genereller Rentnerrabatt in Discountern und Supermärkten nicht der richtige Schritt.

Rentnerrabatt in arabischem Supermarkt

Natürlich ist es ein massives Problem, dass viele ältere Menschen in Deutschland, trotz jahrzehntelanger, harter Arbeit, (zu) wenig Geld haben. Dasselbe Problem haben aber auch andere Gruppen: alleinerziehende Mütter, Auszubildende, Menschen mit Behinderungen oder chronischen psychischen Problemen, Studenten, unfreiwillig Arbeitslose – und auch immer mehr Menschen, die Vollzeit arbeiten, deren Gehalt aber durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten vorn und hinten nicht reichen will. 

Für viele dieser Gruppen gibt es in einigen Branchen bereits Rabatte – und das ist gut und richtig so. In Kinos und Theatern, im Zoo oder für Taxifahrten, bei Tickets fürs örtliche Fußballstadion und auch im Restaurant ist das eine tolle und wichtige Geste der Betreiber, mit der sie allen – nicht nur Wohlhabenden – die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben ermöglichen. Von solchen Rabatten sollte es noch viel mehr geben.

Supermärkte aber sind eine andere Sache.

Braucht es einen Rentnerrabatt im Supermarkt? 

Im Supermarkt kaufen wir wortwörtlich Lebensmittel ein: Produkte, die wir zum Leben brauchen. Nahrung. Wenn die Waren dort so teuer werden, dass Menschen mit wenig Geld sich nicht einmal dann das Nötigste leisten können, wenn sie mühsam Preise vergleichen, nur zu den günstigen Eigenmarken oder zu Angeboten greifen, dann ist das Problem zu tiefgreifend, als dass ein Rentnerrabatt hier eine gute Lösung wäre. 

Auf Theater- oder Kinobesuche kann man im Zweifel verzichten. Aufs Essen und Trinken nicht. Hier sollte es in einem reichen Land wie der Bundesrepublik nicht nötig sein, dass irgendjemand einen Rabatt benötigt, um nicht hungern zu müssen.

Das lässt am Ende zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder sind Renten, finanzielle Unterstützungen für benachteiligte Gruppen und womöglich auch der Mindestlohn in Deutschland zu niedrig für die aktuelle Zeit – oder die Handelsunternehmen schlagen zu hohe Margen auf die Produkte. Beide Fehlentwicklungen müssten von Seiten der Politik angegangen werden. 

Vielleicht müsste man für gewisse Basis-Lebensmittel eine Preis-Obergrenze festlegen – Gemüse, Milch, Saft, Brot etc. Finanzielle Einbußen könnten die Märkte dann ja im Zweifel durch höhere Preise für „Luxuswaren“ wie Alkohol und Feinkost wieder ausgleichen.

Im Supermarkt sollte jeder das Nötigste bezahlen können

Wird das passieren? Seien wir ehrlich: vermutlich nicht. Denn schon seit gut zwei Jahrzehnten wissen wir alle, dass erschreckend viele Menschen einen Großteil ihrer Lebensmittel von der Tafel beziehen – einer Organisation, die ursprünglich den sozial Schwächsten helfen wollte. Und dann erkennen musste, dass zu dieser Gruppe auch viele Arbeitende, viele Rentner oder junge Mütter gehören. Eine Tatsache, die einem Land wie unserem unendlich peinlich sein müsste. 

Und solange das so ist und die Politik diesem Missstand weitgehend tatenlos zuschaut, gebührt den Betreibern des Teiba-Marktes in Neuruppin alle Anerkennung. Sie machen ganz pragmatisch vielen älteren Menschen vor Ort das Leben etwas leichter. Eigentlich aber – eigentlich sollte dieses Angebot gar nicht notwendig sein. 

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