Schutz im Internet
Ministerin gegen Fotoverbot für Schulen und Kitas

Kinderfotos im Internet können zweckentfremdet und manipuliert werden, warnt die CDU-Abgeordnete Hopmann. (Symbolbild) Foto: Seb
Kinderfotos im Internet können zweckentfremdet und manipuliert werden, warnt die CDU-Abgeordnete Hopmann. (Symbolbild) Foto
© Sebastian Willnow/dpa
Die CDU-Abgeordnete Hopmann warnt vor den Gefahren von Kinderfotos im Netz. Kultusministerin Hamburg teilt die Sorge – setzt gegenüber den Schulen und Kitas aber auf Vertrauen statt Verbote.

Schulen und Kitas sollten nach Ansicht der CDU in Niedersachsens Landtag aufhören, Kinderbilder online zu veröffentlichen. Die Verbreitung von Kinderbildern schaffe Tatgelegenheiten für Pädokriminelle, warnte die CDU-Abgeordnete Laura Hopmann. "Außerdem macht es etwas mit der Kindesentwicklung, wenn Kinder merken: Auch Menschen, die nicht dabei waren, wissen alles Mögliche über ihren Alltag. Unbeobachtete und freie Kindheit wird damit erschwert."

Appell an Rot-Grün: Schulen brauchen klare Vorgabe

Hopmann appellierte an die rot-grüne Landesregierung, eine landesweit einheitliche Strategie zu entwickeln. "Öffentliche Einrichtungen müssen ihrer Vorbildfunktion gerecht werden", sagte sie. "Die Landesregierung muss dafür die Voraussetzungen schaffen."

Bloß auf die Zuständigkeit der Träger und Schulleitungen zu verweisen, reiche nicht aus. "Viele Leitungen ersticken in Aufgaben und sind froh, wenn sie ihre Betreuung oder den Unterrichtsausfall organisiert bekommen. Eine klare Vorgabe wäre insofern auch eine wichtige Entlastung", sagte Hopmann.

Ministerin: Lieber ein Bild weniger als ein Risiko zu viel

Kultusministerin Julia Willie Hamburg will den Schulen und Kitas allerdings kein Verbot auferlegen. "Es geht nicht darum zu verbieten, sondern darum, zu schützen und mit Augenmaß verantwortungsvoll zu kommunizieren", sagte die Grünen-Politikerin. "Ich vertraue unseren Schulleitungen und für die Webseiten Verantwortlichen, dass sie diese Sensibilität haben."

Diese wüssten, dass vor allem Fotos von Einzelpersonen oder Gruppenbilder, aus denen einzelne hervorgehoben werden, nicht ins Netz gehörten. "Im Zweifel gilt: lieber ein Bild weniger als ein Risiko zu viel."

Hamburg sagte weiter, sie wisse um die Gefahren für Kinder und Jugendliche durch unachtsam veröffentlichte Onlinefotos, die oft schlimme Folgen für die Betroffenen hätten. Die digitale Privatsphäre der Kinder müsse geschützt werden.

KI-Bilder als Alternative?

"Ich verstehe es aber auch, dass Kitas und Schulen über ihre Profile, besondere Projekte oder Erfolge, zum Beispiel bei Wettbewerben, online informieren wollen", sagte Hamburg. "Schulen und Kitas sollen natürlich auch zeigen können, was sie leisten, aber ohne Kinder unnötig zur Schau zu stellen."

Die Option, echte Bilder durch KI-Bilder zu ersetzen, wie manche Experten vorschlagen, sieht die CDU-Abgeordnete Hopmann dabei nicht als geeignete Alternative für die Einrichtungen, weil auch die KI auf großen Mengen realer Bilddaten trainiert werde. "Entscheidend ist daher nicht, reale durch künstliche Bilder zu ersetzen, sondern grundsätzlich darauf zu verzichten, Kinder für Werbezwecke einzusetzen", sagte Hopmann. "Kitas und Schulen sollten stattdessen ihre pädagogische Arbeit und Projekte in den Mittelpunkt stellen."

Ministerium: Identifizierbare Bilder werden seltener

Die CDU-Abgeordnete hatte zusammen mit ihrer Fraktionskollegin Sophie Ramdor eine Anfrage an die Landesregierung zum Umgang mit Kinderbildern von Schulen und Kitas gestellt. Das Kultusministerium erklärte in der Antwort darauf, auf Profilen und Homepages fänden sich "immer seltener individuelle Fotos, welche eine Identifizierung einzelner Kinder ermöglichen". 

Das lasse sich so pauschal allerdings nicht sagen, findet Hopmann. "Unsere Wahrnehmung ist vielmehr, dass Kinder auf Profilen von Einrichtungen weiterhin sehr präsent sind und das Vorgehen der Einrichtungen höchst unterschiedlich ist", sagte sie. Zu den Gefahren zählt sie eine Zweckentfremdung oder KI-gestützte Manipulation der Bilder. Werbezwecke dürften daher nicht das gleiche Gewicht haben wie Kinderschutz.

Das Kultusministerium schrieb in seiner Antwort an die CDU-Fraktion weiter, öffentliche Bildungseinrichtungen sollten die Veröffentlichung identifizierbarer Bilder von Kindern in sozialen Medien kritisch auf ihre Erforderlichkeit hinterfragen. Jeder Verzicht auf identifizierbare Kinderbilder in sozialen Medien stärke den Schutz vor digitaler Gewalt, Missbrauchsdarstellungen, Bildmanipulation sowie vor langfristigen Folgen für die digitale Privatsphäre.

dpa