SPD-Jahresauftakt Weil: "Ich habe keinerlei Entzugserscheinungen"

Stephan Weil (rechts), noch als Ministerpräsident, und Olaf Lies, noch als Wirtschaftsminister, verlassen die SPD-Klausurtagung
Stephan Weil (rechts), noch als Ministerpräsident, und Olaf Lies, noch als Wirtschaftsminister, verlassen die SPD-Klausurtagung 2025 in Springe. (Archivbild) Foto
© Julian Stratenschulte/dpa
Das letzte Treffen war das Ende einer Ära: Bei einer SPD-Klausur in Springe gab Stephan Weil 2025 seinen Rückzug bekannt. Heute trifft sich die Partei dort wieder – mit Vizekanzler Klingbeil.

Als die SPD Niedersachsen im vergangenen Frühjahr zu ihrem traditionellen Jahresauftakt in Springe bei Hannover zusammenkam, wurde dort das Ende einer Ära eingeläutet: Der damalige SPD-Landeschef und Ministerpräsident Stephan Weil gab zunächst gegenüber den Genossinnen und Genossen bekannt, dass er beide Ämter aufgeben werde. Kurz darauf machte er den Schritt auch vor der Presse in Hannover offiziell.

Heute kommt die SPD wieder in Springe zusammen: mit dem neuen Ministerpräsidenten Olaf Lies, der von Weil auch den SPD-Landesvorsitz übernahm, und Vizekanzler Lars Klingbeil, ebenfalls aus Niedersachsen.

Vom Regierungschef zum Hinterbänkler

Wie blickt Weil mittlerweile bald ein Jahr nach seinem Rückzug aus der Staatskanzlei auf die aktuelle Politik? "Ich habe keinerlei Entzugserscheinungen", sagte der 67-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe automatisch nach dem Rücktritt mehr Distanz gewonnen zu den Themen. In dem Moment, wo man nicht mehr selber in der Verantwortung steht, kann man ruhiger und nüchterner darauf schauen als vorher."

Als Landtagsabgeordneter tritt Weil für die SPD weiterhin in Erscheinung und will das Mandat auch bis zur nächsten Wahl voraussichtlich im Herbst 2027 behalten. Allerdings ist er im Landtag jetzt ein Hinterbänkler, mit öffentlichen Äußerungen hält er sich zurück. Nachfolger Lies hat seine Rückendeckung.

Es war eine Machtübergabe im Guten innerhalb der SPD, auch wenn sich Weil und Lies einst als Konkurrenten um die Spitzenkandidatur zur Wahl 2013 gegenüberstanden. Die Opposition mutmaßt gar, die Staffelübergabe sei über Jahre vorbereitet worden und Lies der heimliche "Kronprinz" von Weil.

Gefragt nach seinen Erwartungen an die Landespolitik im Jahr 2026 sagte Weil nun: "Ich habe den Eindruck, dass die Landespolitik auf einem guten Gleis unterwegs ist. Da helfen die neuen finanziellen Spielräume auch sehr, denn wir werden auch durch die Hilfe des Bundes eine Menge Pläne realisieren können, für die vorher schlichtweg keine Finanzierung möglich war."

dpa