Klimatechniker angeklagt
Prozess nach Legionellen-Todesfällen an Uniklinik begonnen

Der Angeklagte soll als Verantwortlicher für das Gebäudemanagement eine Untersuchung des Kühlwassers auf Legionellen-Erreger unt
Der Angeklagte soll als Verantwortlicher für das Gebäudemanagement eine Untersuchung des Kühlwassers auf Legionellen-Erreger unterlassen haben. Foto
© Federico Gambarini/dpa

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Mit Legionellen belasteter Wasserdampf soll 2020 an der Uniklinik Köln drei Menschenleben gefordert haben. Ein für die Klimatechnik Verantwortlicher steht nun vor dem Kölner Landgericht.

Im Sommer 2020 sterben in der Kölner Uniklinik drei Patienten infolge einer Legionellen-Infektion: Nun hat vor dem Landgericht Köln ein Prozess gegen einen Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung begonnen. Er soll den Betrieb der Klima-, Kälte- und Lüftungstechnik nicht ordnungsgemäß kontrolliert und überwacht haben, obwohl er der verantwortliche Bereichsleiter eines Tochterunternehmens für das Gebäudemanagement gewesen sei.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem 61-Jährigen vor, bei der Wiederinbetriebnahme einer über den Winter abgeschalteten Verdunstungskühlanlage eine Untersuchung des Kühlwassers auf Legionellen-Erreger unterlassen zu haben. Zudem habe er Vorschriften der Bundesimmissionsschutzverordnung missachtet und entsprechende Laboruntersuchungen des Kühlwassers durch hygienisch geschultes Fachpersonal nicht veranlasst. 

Patienten atmeten mit Legionellen kontaminierten Dampf ein

Dadurch hätten sich unbemerkt Legionellen im Kühlwasser gebildet, die sich dann unkontrolliert vermehrt hätten. Mit Legionellen belasteter Wasserdampf sei durch Wind und Wetter auch bis zu einem gut hundert Meter entfernten Bettenhaus der Klinik getragen worden und dort durch Fenster und Belüftungsanlagen eingedrungen. 

Sechs bereits erheblich vorerkrankte Patienten atmeten den Dampf ein und erkrankten an Lungenentzündung. Drei von ihnen starben, drei konnten durch Behandlungen mit Antibiotika gerettet werden.

Angeklagter weist Alleinverantwortung zurück

Der Angeklagte wies die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag zurück. "Ich bedaure das Leid, das durch die Legionellen entstanden ist", sagte er mit bebender Stimme. Er stehe zwar zu seiner Verantwortung, sehe sich aber "nicht in der Alleinverantwortung".

Der Verteidiger des Angeklagten sagte, für die Verdunstungskühlanlage seien zwei "disziplinarisch, aber nicht fachlich" untergebene Mitarbeiter des Angeklagten verantwortlich gewesen. Der Angeklagte hingegen sei damals aufgrund der Corona-Pandemie hauptsächlich mit der Lüftungstechnik befasst gewesen. 

Legionellen sind Bakterien, die bei Menschen Krankheiten auslösen können - von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen. Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes Wasser übertragen, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne.

Der Prozess ist mit weiteren sechs Verhandlungstagen bis Mitte Juni terminiert.

dpa