Der spektakuläre Sparkassen-Einbruch mit Millionenbeute in Gelsenkirchen wird nun auch Thema im Landtag. Bei einer Sondersitzung des Innenausschusses will NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am heutigen Dienstag über den Stand der Ermittlungen informieren. Die oppositionelle SPD hatte das beantragt.
Die Sozialdemokraten erhoffen sich weitere Informationen zum Ablauf des Einbruchs und zur Flucht der Täter. Es solle aber auch um Fragen "hinsichtlich der sicherheitsrelevanten Schwachstellen der Bank" gehen, heißt es in dem Antrag der SPD. "Auch die Landesregierung muss alles daransetzen, dass Vertrauen nicht verloren geht, sondern zurückgewonnen wird", forderte die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Christina Kampmann. "Da hat es in den zurückliegenden Wochen zu wenig Initiativen und auch zu wenig Kommunikation gegeben", kritisierte sie.
Reul: Täter wussten genau, wonach sie suchen mussten
Innenminister Reul hatte zuletzt in Interviews mit der "WAZ" und der "Rheinischen Post" bereits angedeutet, dass die Täter Hilfe von einem Insider gehabt haben könnten. "Die Täter wussten wahrscheinlich genau, wonach sie suchen und wussten auch, wie sie es bekommen", sagte Reul.
Dafür spreche unter anderem ihr sehr zielgerichtetes Vorgehen. "Sie nutzten eine nicht alarmgesicherte, augenscheinlich manipulierte Tür, um in einen Archivraum der Sparkasse zu gelangen. Sie setzten dort einen Kernbohrer genau an der richtigen Wand zum Tresorraum an." Außerdem seien von den rund 3.250 Schließfächern ausgerechnet diejenigen nicht aufgebrochen worden, die derzeit nicht vermietet gewesen seien. "Kann natürlich alles Zufall sein", sagte der Minister.
Die Polizei habe es in jedem Fall mit einer "hochprofessionellen Bande" zu tun, die den Diebstahl penibel vorbereitet habe.
Täter kamen durch großes Loch in der Wand
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Ende Dezember hatten sich die bislang unbekannten Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Bank verschafft und ein großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Fast alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer wurden aufgebrochen. Rund 100 Ermittler suchen inzwischen nach den Tätern.
Der genaue Wert der Beute wird weiter ermittelt. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch.
Sparkassenchef verteidigt Sicherheits-Vorkehrungen
Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz weist Kritik an der Sicherheitstechnik in der Filiale zurück. "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte Klotz zuletzt betont. Die Maßnahmen seien laufend verbessert worden. "Es war schon immer ein Wettlauf zwischen Sicherungstechnik und Kriminellen", sagte er.
Die Zukunft der Sparkasse Gelsenkirchen sieht der Vorstandschef durch die Schäden bei dem Einbruch nicht bedroht. "Die Verträge sehen eine Absicherung pro Schließfach von bis zu 10.300 Euro vor. Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Sparkasse ins Wanken geraten könnte", sagte er der "WAZ".
Anwälte von Betroffenen haben allerdings angekündigt, dass sie die Bank bei Sicherheitsversäumnissen auf sehr viel höhere Schadenersatzsummen pro Schließfach verklagen wollen.