Ungewöhnliche Enthüllung im Fall um mutmaßliche Korruption in der JVA Euskirchen: Ein Freigänger wurde abends in einem Auto geblitzt, als er eigentlich in seiner Zelle hätte sitzen müssen. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn gegenüber der dpa. Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" gehört der Beschuldigte zu einer polizeibekannten Leverkusener Großfamilie und war in einem Luxusauto unterwegs.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt bisher gegen acht JVA-Bedienstete und drei ehemalige Häftlinge, darunter den Mann mit dem Geschwindigkeitsverstoß. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, wurden die Akten weiterer Gefangener sichergestellt, die nun ausgewertet würden. Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" geht es dabei um 13 weitere Ex-Häftlinge.
Gefängnismitarbeiter sollen Bestechungs-"Abos" verkauft haben
Die Gefängnismitarbeiter stehen im Verdacht, als Gegenleistung für das Gewähren von Hafterleichterungen Vorteile angenommen zu haben. Sie sollen unter anderem regelrechte "Abos" gegen monatliche Gebühren verkauft haben, mit denen Häftlinge vor Kontrollen ihrer Zellen gewarnt worden sein sollen.
Außerdem sollen sich nach früheren Angaben der Ermittler Häftlinge außerhalb der JVA aufgehalten haben, obwohl sie laut Gefängnissystem gerade in ihrer Zelle waren. Als Freigänger können Inhaftierte tagsüber zum Beispiel einer Arbeit nachgehen, müssen aber abends wieder in ihrer Zelle sein.