Wenn es um den saarländischen Wald ging, hörte man vom früheren Umweltminister Reinhold Jost (SPD) oft den Satz: "Wir haben den Wald, den sich andere wünschen!" Dass er damit recht hatte, hat das Saarland nun schwarz auf weiß: Denn der Saarkohlenwald ist jetzt offiziell "Waldgebiet des Jahres 2026". Der Direktor des Landesbetriebs SaarForst, Thomas Steinmetz, nahm in Saarbrücken die bundesweite Auszeichnung entgegen, die der Bund Deutscher Forstleute (BDF) seit 2012 jährlich vergibt.
"Das ist eine große Ehre, die einem zuteilwird", sagte Steinmetz der Deutschen Presse-Agentur. Seiner Meinung nach schärfe diese Auszeichnung das Bewusstsein doppelt: "Einmal für den Wald, um den es geht, aber auch für die Menschen, die dort arbeiten." Denn gerade in dicht besiedelten Gebieten, wo viele Menschen den Wald nutzen, um spazieren zu gehen, Sport zu machen oder abzuschalten vom Alltags-Stress, ständen die Mitarbeiter nicht selten in der Kritik, wenn sie mit der Säge im Einsatz seien. "Deshalb sage ich ganz selbstbewusst und vor dem Hintergrund der Auszeichnung: Der Wald präsentiert sich heute in dieser insgesamt guten Situation nicht trotz, sondern gerade durch die Arbeit der Waldarbeiter und Förster!", so Steinmetz.
Das will auch der BDF mit seinem Preis verdeutlichen: "Es wird oft als naturgegeben hingenommen, dass man sich in einem schönen Wald bewegt. Aber es ist halt eine Kulturleistung", sagt BDF-Sprecher Rainer Städing.
Mit einem finanziellen Betrag oder sonstigen Fördermaßnahmen ist der Preis nicht verbunden. Dennoch ist Städing davon überzeugt, dass der Wald trotzdem davon profitiert, weil das "öffentliche Auf-die Schulter-Klopfen" einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leiste. Gerade, wenn man im und für den Wald arbeite, übernehme man "eine enorm wichtige Aufgabe für das Gemeinwohl".
Thomas Steinmetz betrachtet den Preis auch als Signal an die Belegschaft: "Daraus wird eine besondere Verantwortung erwachsen", ist er überzeugt. Die Auszeichnung habe er stellvertretend für das gesamte Team entgegengenommen: Für die 200 Waldarbeiter, Förster und Kollegen im Büro und im Hintergrund – auch für die Förstergenerationen in der Vergangenheit, "die schon vorher daran gearbeitet haben, dass wir heute solch einen tollen Wald haben." Seine vielfältigen Möglichkeiten reichten von Holznutzung über Erholung bis zu Natur- und Artenschutz und infrastrukturelle Leistungen wie etwa bei Luftreinhaltung und Vermeidung von Bodenerosion. "Besser geht es eigentlich nicht."
Und dieser saarländische Wald scheint dabei vorbildlich zu sein: "Heute erfüllt der Saarkohlenwald Aufgaben in einer Dichte, wie kaum ein anderer Wald in Deutschland", lobt der BDF. Ihn überzeugte dabei insbesondere die Rolle des Waldes als Zeitzeuge in Verbindung mit der hohen Qualität aktiven Naturschutzes und als Ort der Umweltbildung.
Beispielfunktion als naturnaher Wald
Der Saarkohlenwald, der sich auf fast 50 Quadratkilometern zwischen Saarbrücken, Völklingen und Neunkirchen erstreckt, wird als Zwei-Etagen-Wald bezeichnet: Der unterirdische Wald ist ein zu Steinkohle gepresster Sumpfwald aus der Zeit des Karbons. Um wichtiges Grubenholz für den Kohleabbau zu erhalten, wurden viele ursprüngliche Buchenwälder gerodet und Eichen angepflanzt.
"Ausgezeichnete Wälder wie der Saarkohlenwald haben eine Beispielfunktion, in welche Richtung sich Wälder entwickeln müssen. Sie sind deutlich naturnäher als andere", sagt der BDF-Sprecher. Im Saarland habe man auf Kahlschlag verzichtet und sich mehr in Richtung Dauerwald entwickelt mit einem hohen Anteil an Misch- und Laubwald. "Das trägt Früchte – darum kann man ihn tatsächlich beneiden."
Anerkennung soll dauerhaft wirken
Nach Ansicht von Umweltministerin Petra Berg (SPD) sei der Saarkohlenwald ein herausragendes Beispiel dafür, wie Naturschutz, nachhaltige Waldbewirtschaftung und Umweltbildung zusammenwirken können. "Die engagierten Forstleute leisten hier täglich einen wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Entwicklung klimaresilienter Wälder", lobt sie.
Thomas Steinmetz ist überzeugt, dass der Preis eine langfristige Wirkung zeigen wird: "Es ist ja nicht so, dass wir ab 2027 sagen: Das war es jetzt! Sondern die Anerkennung können wir dauerhaft verwenden." Auch als Impuls, "um mit anderen Nutzergruppen ins Gespräch zu kommen und zu überlegen, wie wir im Interesse der Erhaltung des Waldes und der verschiedenen Möglichkeiten uns miteinander verbinden, nach dem Motto: Was zusammengehört, kommt zusammen."