Es gibt deutlich weniger neue Fälle der Vogelgrippe in Rheinland-Pfalz. Doch Expertinnen und Experten warnen davor, die Verbreitung der Krankheit als beendet anzusehen.
Wie ist die aktuelle Lage in Rheinland-Pfalz?
Nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes (LUA) Rheinland-Pfalz gab es seit Oktober 2025 bis vergangenen Freitag Nachweise des Virus bei 102 Wildvögeln und zwei Geflügelhaltungen. Momentan stagnieren demnach die Fallzahlen praktisch.
Mit Stand Freitag gibt es auch fast keine Aufstallungspflicht mehr in den Landkreisen. Diese gilt laut LUA nur noch für alle Geflügelhaltungen in den Gemeinden Eich, Gimbsheim und Hamm (Kreis Alzey-Worms) sowie in Worms.
Ist dann jetzt wieder alles gut?
Nicht wirklich. "Vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wird das Risiko der Aus- und Weiterverbreitung des Erregers der Geflügelpest in wild lebenden Wasservogelpopulationen innerhalb Deutschlands noch immer als hoch eingeschätzt – ebenso das Risiko von Einträgen in Geflügelhaltungen durch direkte und indirekte Kontakte zu infizierten Wildvögeln", heißt es vom LUA.
"Wir werden achtsam bleiben müssen", sagt Uta Wettlaufer-Zimmer, Tierärztin und Leiterin der Tiergesundheitsdienste beim LUA. Sie geht davon aus, dass das Virus erhalten bleibe. "Wir haben unterschiedliche Stämme, die in unterschiedlichen Regionen unterwegs sind", sagt sie.
Welche Rolle spielen Wasservögel und Zugvögel?
"Das Problem ist, wenn wir dann so einen einzelnen Tümpel haben, wo diese Tiere verenden, dann müssen wir davon ausgehen, dass im Oberflächenwasser sich der Erreger noch eine Zeit lang hält", erklärt die Tierärztin. Heißt: Gerade dort kann sich das Virus leichter übertragen.
Guido Andres, Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Rheinland-Pfalz sagt: "Wir rechnen damit, dass wir vielleicht mal vier bis sechs Wochen Ruhe drin haben. Wir haben alle sehr große Bedenken, wenn der Vogelzug wieder losgeht." Dann könnten die Tiere hier wieder auf verseuchte Tiere treffen, vor allem, wenn sie an Gewässer gehen.
Wie gehen Zoos & Co. damit um?
Luisa Weich von der Falknerei Bad Marienberg hatte die Falknerei vergangenes Jahr zeitweise komplett geschlossen. Es hätten auch nur ausgewählte Helfer Zugang gehabt, und es habe strenge Hygienemaßnahmen gegeben, berichtet sie. Auch die Dächer seien geschlossen gewesen. Mittlerweile sind wieder auf.
"Wir haben gerade Wintersaison. Aber so langsam machen wir die Tore wieder auf", sagt Weich. Am 8. März soll es auch mit Besuchen wieder losgehen. Sorge macht ihr auch der Zug der Vögel. "Wir warten mal ab, wenn der Zug wieder zurückkommt", sagt sie. Im Zweifel müsse man dann kurzfristig reagieren.
Im Zoo Neuwied wurden Mitarbeitende geschult, teilte der Zoo auf Anfrage mit. Auch auf Arbeitskleidung, Werkzeugnutzung und Desinfektionsregeln wurde demnach geachtet. Dem Zoo sei wichtig, Vögel vor einer Ansteckung zu schützen. "Aus diesem Grund sind all diejenigen Arten und Individuen, die ein längerer Aufenthalt in Innenbereichen oder solchen Gehegen, zu denen Wildvögel keine Zugangsoptionen haben, nicht beeinträchtigt, seit zweieinhalb Monaten in eben solchen Bereichen untergebracht."
Wegen des abgeflachten Geschehens hätten einige Vogelgruppen wie Laufvögel, Hokkos und Kraniche derzeit aber regulären Zugang zu ihren Außenanlagen. Der Zoo behalte das Zuggeschehen im anstehenden Frühjahr im Blick und könne dann innerhalb von Stunden reagieren, sollte das Geschehen wieder aufflammen, schreibt ein Sprecher. "Mindestens bis dahin werden wir unser Sicherheitskonzept weiter bestehen lassen - was für unsere Gäste beinhaltet, dass derzeit nicht alle Vogelarten zu sehen sind."
Ist die Vogelgrippe für Menschen gefährlich?
"Ein konkretes Gesundheitsrisiko für den Menschen oder für andere Tiere geht von ihnen nach derzeitiger Einschätzung nicht aus", schreibt das Landesuntersuchungsamt. "Berührt werden sollten tote Vögel aber auf keinen Fall, um möglicherweise vorhandene Viren nicht weiterzuverbreiten."
In Deutschland ist noch kein Fall bei einem Menschen bekannt geworden, wie das Robert Koch-Institut schreibt. "Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an den Menschen anpassen kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar wird, lässt sich nicht vorhersagen."
Tierärztin Wettlaufer-Zimmer sagt: "Wir müssen darauf achten, dass es nicht auf die Menschen überspringt." Deshalb gebe es auch die klare Ansage der Ständigen Impfkommission, dass sich Menschen mit Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln die saisonale Grippeimpfung geben lassen sollten.
Das verhindere laut Tierärztin vor allem das Risiko, dass ein Mensch gleichzeitig beide Influenzaviren in sich trage – also den bereits in Menschen verbreiteten und den Auslöser der Vogelgrippe. Denn dann könnte sich das Virus an den Menschen anpassen.