Verpflichtende Sprachtests
Saarland startet Förderkonzept für Deutsch vor der Schule

Im Saarland soll mit einer App festgestellt werden, wie gut ein Kind Deutsch kann. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel/dpa
Im Saarland soll mit einer App festgestellt werden, wie gut ein Kind Deutsch kann. (Archivbild) Foto
© Peter Kneffel/dpa
Mit gezielter und früher Sprachförderung will das Saarland Bildungsgerechtigkeit stärken. Die Ministerin stellte erste Pläne vor, wie sie betroffene Kinder schon vor dem Schulstart erreichen will.

Im Saarland können rund 30 Prozent der Kinder bei ihrer Einschulung noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, in einigen Grundschulen sind es sogar mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen. "Ein Thema, das uns sehr große Sorgen bereitet", sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Die Situation betrachte sie als klaren Handlungsauftrag, betonte sie. 

Um diesen Zustand zu ändern, stellte die Ministerin ihre Pläne für eine verpflichtende, landesweite Sprachstandsfeststellung ab vier Jahren vor. 

Die Überprüfung soll knapp zwei Jahre vor Schuleintritt im Rahmen einer vorgezogenen Schulanmeldung stattfinden - alle Kinder eines Jahrgangs sollen daran teilnehmen, unabhängig davon, ob sie eine Kita besuchen oder nicht. Für den Test wird eine mit der Universität des Saarlandes entwickelte App eingesetzt, die spielerisch Wortschatz, Sprachverständnis, Satzbau und Erzählfähigkeit erfasst. 

Kinder mit erheblichem Förderbedarf erhalten dann im letzten Kita-Jahr vier zusätzliche Wochenstunden gezielte Sprachförderung in kleinen Gruppen. Für Kinder ohne bisherigen Kitabesuch soll es ein Ersatzangebot mit 15 Stunden pro Woche geben, das mit Trägern der Jugendhilfe geschaffen wird - beispielsweise in einer Kita, einem Sozialraum oder einer Schule.

Kitabesuch soll bei Bedarf Pflicht werden

Streichert-Clivot kündigte an, dass für Kinder, die keine ausreichenden Deutsch-Kenntnisse hätten, ein Kitabesuch verpflichtend werden soll. Rechtliche Voraussetzung dafür sei die Kitabeitragsfreiheit, die ab 2027 vollständig gelte. 

Die verbindliche Sprachförderung vor der Einschulung startet im April beziehungsweise November mit einem zweistufigen Modellversuch an insgesamt 28 Grundschulen und 92 Kitas, an denen der Förderbedarf besonders hoch eingeschätzt wird. 

Kein Kind soll durch das Netz fallen

Ziel des Konzeptes ist es, Bildungsgerechtigkeit frühzeitig und systematisch zu sichern. "Mit dem Angebot stellen wir sicher, dass kein Kind durchs Netz fällt", sagte die Ministerin. Herkunft und soziale Hürden dürften nicht darüber entscheiden, ob ein Kind später erfolgreich in die Schule starten könne. 

"Kein Kind soll am ersten Schultag schweigen müssen, weil ihm die Worte fehlen. Wir geben jedem Kind im Saarland eine starke Stimme. Denn starke Sprache bedeutet starke Zukunft", so Streichert-Clivot.

Das Land investiere in der Modellphase 3,24 Millionen Euro für Personal, Tests und Förderung der Kinder. Parallel unterstütze es besonders betroffene Kommunen mit 24 Millionen Euro für den Ausbau von Kitaplätzen. 

Laut Streichert-Clivot plant die Bundesregierung ab 2027 eine gesetzliche Verpflichtung zur Sprachstandsfeststellung. Das Saarland rechne dann mit Bundesmitteln in Höhe von 16 Millionen Euro jährlich.

"Wuschel-App" zur Sprachstandsfeststellung Frühkindliche Bildung / Saarland

dpa