Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau fordert ein flexibleres Rentenmodell. „Die Fixierung auf starre Altersgrenzen führt in eine Sackgasse“, sagte der Kammer-Präsident Sascha Gläßer. Neben Flexibilität brauche es auch eine ehrlichere Diskussion über die Folgen rentenpolitischer Entscheidungen.
Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) plant, bis zur Sommerpause im Bundestag ein großes Reformpaket auf den Weg zu bringen - zu zentralen Themen wie Rente und Steuern. Gewerkschaften und Sozialverbände warnen vor einem Abbau des Sozialstaats. Das nun von der IHK Halle-Dessau vorgestellte Konzept soll ein Beitrag zur aktuellen Reformdebatte sein.
Rente mit 65 oder 70 Jahren?
Nach Ansicht der IHK sollte in Zukunft nicht mehr ein einheitliches, staatlich vorgesehenes Renteneintrittsalter gelten, sondern die individuelle Entscheidung der Versicherten im Mittelpunkt stehen, hieß es. Bürgerinnen und Bürger sollen demnach selbst festlegen, wann sie in Rente gehen möchten. Diese Entscheidung soll im Laufe des Erwerbslebens angepasst werden können.
Wer früher in Rente geht, müsste nach dem Konzept höhere Beiträge zahlen. Wer länger arbeitet, würde entlastet. „Ziel ist es, individuelle Wahlfreiheit mit finanzieller Verantwortung zu verbinden und die gesetzliche Rentenversicherung langfristig stabil zu halten, ohne etwas am Prinzip der Umlagefinanzierung zu ändern“, hieß es. Durch die unmittelbare Entscheidungsmöglichkeit, verbunden mit der Anpassung der Beträge, sollen zukünftige Beitragszahler nicht länger einseitig belastet werden.
Modell als Impuls
Neben einem wählbaren Renteneintrittsalter sehe das sogenannte „Hallesche Wahlrentenmodell“ zudem Ausgleichsmechanismen vor, unter anderem für Beschäftigte in körperlich belastenden Berufen. Ziel des Modells sei, neue Impulse für eine langfristig tragfähige und gesellschaftlich akzeptierte Ausgestaltung der gesetzlichen Rentenversicherung zu geben.