Reformation
Warum das Lutherhaus noch monatelang geschlossen bleibt

Die Sanierungsarbeiten werden voraussichtlich noch bis Mitte 2027 dauern. Foto: Jan Woitas/dpa
Die Sanierungsarbeiten werden voraussichtlich noch bis Mitte 2027 dauern. Foto
© Jan Woitas/dpa
35 Jahre lang war das Haus in Wittenberg Luthers Lebensmittelpunkt. In den Jahrhunderten danach wurde es für andere Zwecke verwendet. Nun soll Neues entstehen.

Das ehemalige Wohnhaus von Reformator Martin Luther in Wittenberg wird derzeit grundlegend umgestaltet. "Mit der energetischen Sanierung werden wir ein stabiles Raumklima schaffen", sagte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Thomas Müller. Trockenbauer, Zimmerleute, Energietechniker und Heizungsmonteure sind vor Ort, um in den derzeit leeren Räumen noch bis voraussichtlich Mitte nächsten Jahres zu arbeiten. Energieeffizienz ist nicht das Einzige, was der Umbau verändern soll.

Luther wurde 1483 in Eisleben geboren und kam als Mönch Anfang des 16. Jahrhunderts nach Wittenberg. Das heutige Lutherhaus war ab 1511 für 35 Jahre der Lebensmittelpunkt für ihn und seine Familie. 

Erste Sanierungsarbeiten laufen schon

Heute befinden sich im Lutherhaus historische Objekte, die durch den Umbau in Zukunft besser geschützt sein sollen. Bund, Land und Stiftung fördern das Vorhaben finanziell. Rund 15,6 Millionen Euro soll das Projekt, das auch mehr Barrierefreiheit vorsieht, insgesamt kosten.

Im Dachgeschoss wurde schon mit der Dämmung begonnen. "Besonderes Augenmerk gilt dort der Schadstoffbelastung der teils jahrhundertealten Deckenbalken, die bei Dachsanierung Anfang der 1980er Jahre mit toxischen Holzschutzmitteln behandelt wurden", erklärte Projektleiter Tobias Espinosa. 

Außerdem müsse im Zuge der Arbeiten eine mehr als 500 Jahre alte Mauer hinter dem ehemaligen Direktorenhaus gesichert werden. Der in den 1930er Jahren errichtete Zweckbau wurde vor einigen Monaten abgerissen. Nun soll ein Neubau folgen, in dem Räume für Veranstaltungen und Büros sowie für das Archiv entstehen sollen. 

Umbau bringt auch besondere Funde mit sich

Auch soll in den kommenden Monaten ein neuer Eingangsbereich mit einer Klimaschleuse entstehen. "Das Foyer wird wesentlich großräumiger als bisher und ergänzt durch einen Museumsshop", beschrieb Müller die Pläne.

Ein so geschichtsträchtiges Gebäude stecke voller Überraschungen, sagte Espinosa. Bei Untersuchungen im Erdgeschoss des Lutherhauses haben Archäologen historischen Fußboden aus dem 16. Jahrhundert gefunden. "Auf diesen Steinen könnte durchaus der Reformator gestanden haben", sagte Müller. Dabei sei gut mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zusammengearbeitet worden. 

Neue Ausstellungen und Besuchsmöglichkeiten

Die im ersten Obergeschoss befindliche Lutherstube soll unverändert bleiben. Sie wurde 1535 im Auftrag von Luthers Ehefrau Katharina gebaut. Um einen Besuch der Stube auch während der Bauzeit möglich zu machen, soll eine App entwickelt werden. So soll ein interaktiver digitaler Aufenthalt angeboten werden können, bis das Original wieder besucht werden kann. 

Auch laufen Vorbereitungen für eine neue Dauerausstellung. Sie soll nicht nur den Reformator und seine Entwicklung vorstellen, sondern auch die Menschen in seinem gesellschaftlichen Umfeld. Im ersten Obergeschoss sollen Luther und der Thesenanschlag im Mittelpunkt stehen, in der zweiten Etage die weltgeschichtlichen Folgen.

Tausende Besucher in Übergangsausstellung

In der Übergangzeit gibt es unweit vom Lutherhaus im Augusteum eine Sonderausstellung. "BuchstäblichLuther. Facetten eines Reformators" zeigt laut LutherMuseen Glanzstücke der Sammlung, darunter die erste Gesamtausgabe der deutschen Bibel, Luthers Kutte und mehrere ausdrucksstarke Cranach-Porträts des Reformators. Rund 20.600 Besucherinnen und Besucher wurden im Vorjahr gezählt. 

Luther verfasste während seiner Zeit in Wittenberg seine berühmten 95 Thesen und entwickelte seine reformatorischen Ideen. Das Haus hatte er als Geschenk vom sächsischen Kurfürsten bekommen. 1564 kaufte die Universität das Gebäude. 1883 öffnete das reformationsgeschichtliche Museum. Seit 1996 gehören die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg zusammen mit der Schloss- und Stadtkirche in Wittenberg zum Unesco-Welterbe.

dpa