Die mitteldeutschen Verbände der sozial orientierten Wohnungswirtschaft fordern realistische politische Rahmenbedingungen, verlässliche Förderprogramme und praktikable Vorgaben für Klimaschutz. Ansonsten drohten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Investitionen auszubleiben – mit gravierenden Folgen für bezahlbaren Wohnraum, soziale Stabilität und die Erreichung der Klimaziele, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Vielerorts fehle es an der notwendigen Förderkulisse, in Sachsen-Anhalt stünden derzeit überhaupt keine aktiven Wohnraumförderprogramme zur Verfügung, sagte Jens Zillmann, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt. "Wenn wir bezahlbaren Wohnraum sichern wollen, brauchen wir jetzt ein tragfähiges, verlässliches Förderprogramm für die Bestandssanierung in der Wohnungswirtschaft".
Kein Neubau ohne Fördermittel
Der Neubau komme wegen massiv gestiegenen Baukosten, hohen Anforderungen und fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven zunehmend zum Erliegen, erläuterte Mirjam Philipp, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften.
Die Verbände fordern daher einen grundlegenden Kurswechsel hin zu einfacheren, schnelleren und bezahlbaren Lösungen. Den Angaben zufolge wurde in Sachsen-Anhalt und Thüringen 2024 keine einzige Sozialwohnung gebaut, in Sachsen wegen gewisser Fördermittel immerhin 2.680.
Serielles Sanieren als Chance
Die Schlüsselaufgabe sehen die Verbände in der Sanierung der bestehenden Bestände. Gerade die zahlreichen Plattenbauten böten die Chance, klimafreundliche Lösungen industriell zu entwickeln und in großem Maßstab umzusetzen, sagte Alexander Müller, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Sachsen. "Wenn wir diesen Hebel nutzen, wird aus einer Herausforderung ein echter industriepolitischer Durchbruch für bezahlbares Wohnen".
Die drei Verbände haben zusammen etwa 1,15 Millionen Wohnungen und bieten rund zwei Millionen Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Zuhause. Die Mieten stiegen den Angaben zufolge innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 0,65 Euro auf derzeit 5,75 Euro pro Quadratmeter. Diese Steigerung liege deutlich unterhalb der allgemeinen Verbraucherpreisentwicklung.