VG-Wort Pixel

J. Peirano: Der geheime Code der Liebe Mein Mann hat einen Karrieresprung angeboten bekommen – und ich habe Angst um die Familienplanung

Die Entscheidung zwischen Familie und Karriere ist oft nicht leicht (Symbolbild)
Die Entscheidung zwischen Familie und Karriere ist oft nicht leicht (Symbolbild)
© fizkes / Getty Images
Eigentlich sind Katrin und ihr Mann ein tolles Team. Doch nun könnte ein Karrieresprung gewaltige Veränderung in ihr Leben bringen. Dabei wollten sie eigentlich gerade mit der Familiengründung beginnen. Gibt es eine Lösung, in der nicht einer unglücklich ist?

Hallo Frau Dr. Peirano,

mein Mann und ich sind beide um die 30 und seit rund einem Jahr verheiratet, unsere Beziehung besteht schon seit zwölf Jahren und wir sind ein gutes Team. 

Für sein noch recht junges Alter hat mein Mann schon eine beachtliche Karriere hingelegt und er begleitet schon seit zwei Jahren eine Führungsposition. Nun hat er die Möglichkeit, sich in seinem Unternehmen, das in ganz Deutschland und Europa Standorte hat, für ein Förderprogramm von zukünftigen High-Level-Führungskräften zu bewerben. 

Für die Teilnahme an dem Programm wird absolutes Engagement und Ortsunabhängigkeit gefordert, da die Teilnehmer Projekte an einem anderen Unternehmensstandort als üblich tätig übernehmen müssen. Er sagt, dass er prinzipiell Interesse hätte, es aber nur macht, wenn ich mit "an Bord" bin. 

Hier ist mein Dilemma. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Auf der einen Seite möchte ich ihn natürlich unterstützen und fördern, damit er sich ausprobieren kann und alle Chancen hat. Auf der anderen Seite haben wir vor ein paar Jahren ein gemeinsames Haus gekauft und planen in den nächsten zwei Jahren ein Baby

Wenn ich Nein sage, habe ich Angst, dass er mir das irgendwann einmal vorwirft. Andererseits kann ich mir auch kein Beziehungsmodell vorstellen, in dem wir uns nur am Wochenende sehen, schon gar nicht, wenn ein Kind im Spiel ist. Er selbst ist in so einem Modell aufgewachsen und spricht schlecht von dieser Zeit. Ihm hinterher zu ziehen, kann ich mir aufgrund meines sozialen und beruflichen Umfelds nicht vorstellen. Also was tun? Ihn unterstützen und im schlimmsten Fall viel allein sein oder Nein sagen und als Spielverderberin gelten?

Vielen Dank, Katrin L.

Liebe Katrin L.,

Es hört sich so an, als wenn Sie gerade eine sehr wichtige Weiche in Ihrer Beziehung stellen, die den Kurs für die nächsten Jahre oder sogar Jahrzehnte vorgibt. Und es klingt an, dass Sie beide möglicherweise unterschiedliche Wertvorstellungen haben. 

Ihr Mann hat seine Karriere an eine hohe Stelle gesetzt und bekommt nun die Chance, beruflich noch weiter aufzusteigen. Das ist für ihn ein verlockendes Angebot, das ihm allerdings auch komplettes Engagement abfordert, inclusive Standortwechsel. Und wahrscheinlich wird er nach dem Förderprogramm entsprechend anspruchsvolle Stellen angeboten bekommen, die ihm wiederum viel zeitliches Engagement und möglicherweise wieder Standortwechsel abfordern.

Wie sieht Ihr Mann das Angebot? Würde er es sehr gerne machen oder gibt es auch Seiten in ihm, die zögern, weil sie ihm wenig Zeit für Ihre Beziehung, die Gründung einer Familie und eigene Interessen lassen? 

Sie hingegen scheinen sich in Ihrem jetzigen Leben wohl zu fühlen und eigentlich bald eine Familie gründen zu wollen. Kann es ein, dass Sie sich durch das Angebot an Ihren Mann, ein Förderprogramm zu machen, unter Druck gesetzt fühlen? Sie müssen es ihm eigentlich gönnen und ihn unterstützen, sonst fühlen Sie sich wie der Spielverderber? Ich kann Sie hier nur bestärken, Ihre Gefühle und Bedenken ernst zu nehmen und sie zu akzeptieren! Sie beide sind ein gutes Team, und damit das auch so bleibt und kein Riss in Ihrer Beziehung entsteht, sind hier Offenheit und Sorgfalt angebracht.

Haben Sie sich schon intensiv und auch emotional darüber ausgetauscht, was jedem von Ihnen Angst macht und er auf keinen Fall möchte?

Wenn Sie in meiner Praxis wären, würde ich Ihnen und Ihrem Mann eine Zeitreise in Hypnose anbieten, damit Sie beide Szenarien 

  • (a) Förderprogramm und 
  • (b) Verzicht auf Förderprogramm 

einmal erleben könnten. Es ist etwas völlig anderes Dinge emotional und mit allen Sinnen zu erleben, als sie nur mit dem Kopf zu durchdenken. Manchmal kommt auf dem Weg der Hypnose eine völlig andere Entscheidung zustande als mit dem bewussten Verstand.

Ich würde Sie beide bitten, sich in tiefer Entspannung in den Moment des Abschieds beim Antritt des Förderprogramms zu versetzen (inklusive Koffer packen, Wohnung anmieten, Abschiedsumarmung…). Wie würden Sie sich fühlen - als diejenige, die bleibt, und als derjenige, der wegfährt? Dann würde ich Sie anleiten, in die Zeit zwei Monate nach dem Beginn des Förderprogramms zu reisen. Ihr Mann hat viel zu tun, wohnt woanders, Sie sehen sich an den Wochenenden… Sie bleiben in Ihrem Leben… Wie fühlen Sie sich beide?

Wie fühlen Sie sich beide in einem Jahr, in zwei Jahren, in fünf Jahren, in 20 Jahren?

Die gleiche Übung würde ich machen mit der Vorstellung, dass Ihr Mann auf das Programm verzichtet und Sie Nein dazu gesagt haben. Wie fühlen Sie sich beide in dem Moment, in dem seine Kollegen und Kolleginnen ohne ihn das Programm starten, wie fühlen Sie sich beide zwei Monate danach im gewohnten Job und Leben, wie fühlen Sie sich, wenn Sie in Richtung Familienplanung gehen. Wie sieht es aus in zwei Jahren, in fünf Jahren, in 20 Jahren?

Und wie sieht es rückblickend aus, wenn Sie aus der Perspektive einer weisen alten Frau oder eines weisen alten Mannes auf die Zeit schauen, als Sie 30 waren?

Wenn diese Vorstellungsübung nicht "einfach so" klappt, sondern eher ein Abwägen oder eine Nachdenken ist (was es nicht sein sollte), könnte ich Ihnen raten, eine Hypnotherapeutin in Ihrer Gegend aufzusuchen und das alles einmal durchzufühlen und in Hypnose zu erleben.

Dann wird schnell klar, wie Sie die Weiche stellen wollen. Und falls es keine gemeinsame Lösung gibt, wäre es sinnvoll, dass Sie einige Sitzung Paarberatung machen. 

Die Weiche ist zweifellos groß, und es ist sinnvoll, hier sorgfältig zu schauen. Und genau das machen Sie ja auch schon, indem Sie mir schreiben.

Herzliche Grüße und alles Gute, Julia Peirano


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker