Nach seiner Laufeinheit am Rande des Flutlichtspiels gegen Union Berlin war Oliver Mintzlaff voll des Lobes über den Power-Auftritt der Leipziger RB-Profis. So klatschte er persönlich Yan Diomande ab und sprach zugleich ein Machtwort beim Ivorer. "Wenn ich Geschäftsführer Sport wäre, würde ich diesen jungen Spieler, der ja gerade erst noch nicht mal eine komplette Saison bei uns ist, nicht verkaufen. Egal, welcher Preis da aufgerufen wird", sagte der Red-Bull-Geschäftsführer nach dem 3:1 gegen die Berliner beim Pay-TV-Sender Sky. Auch das Preisschild von 100 Millionen Euro beeindrucke den Aufsichtsratsvorsitzenden des Fußball-Bundesligisten nicht wirklich.
"Ich glaube, dass er ein Spieler ist, der sich schon noch weiterentwickeln kann, weil er natürlich auch noch sehr jung ist. Und auch sicherlich noch teurer werden kann", betonte Mintzlaff angesichts des bis Sommer 2030 laufenden Vertrages. So sei er in der Causa "ganz entspannt".
Argument Champions League
Laut des 50-Jährigen gäbe es auch "andere Clubs, bei denen Spieler auch den nächsten Schritt gehen wollen – da gehört der FC Bayern dazu, aber auch Clubs aus England und Spanien. Aber wir müssen schon den Anspruch haben, dass ein Spieler, auch wenn er hier herausragende Leistungen abliefert, uns nicht schon nach einem Jahr wieder verlässt", erklärte Mintzlaff. Gerade mit Blick auf die Champions League, wo sich der 19 Jahre alte Diomande noch auf einer größeren Bühne präsentieren kann.
Mit dem fünften Sieg in Serie haben die Sachsen den Kurs Königsklasse klar gehalten. Immerhin gewannen die Verfolger Leverkusen und Hoffenheim in der Fremde. "Es war wichtig, am Freitagabend vorzulegen. Es warten noch schwierige Aufgaben auf uns. Wir haben erst unser Ziel erreicht, wenn wir über die Ziellinie gelaufen sind", sagte Cheftrainer Ole Werner, der viel Lob von den RB-Bossen bekam.
Mintzlaff: "Überragenden Job gemacht"
"Das Trainerteam um Ole Werner, die Mannschaft, der ganze Club haben dazu beigetragen, dass wir nach der enttäuschenden letzten Saison jetzt hier so stehen", meinte Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer. Der ehrgeizige und kritische Mintzlaff, für den das Verpassen der Champions League in der Vorsaison "ein Schock" war, zeigte sich sichtlich zufrieden nach dem XXL-Umbruch im vergangenen Sommer. "Wenn wir die Stabilität bis zum Ende halten, dann haben alle hier, einen überragenden Job gemacht, dazu gehört der Cheftrainer, dazu gehört Marcel Schäfer und das gesamte Trainerteam und alle Spieler auf dem Platz."
Nun muss RB in Leverkusen antreten. "Das wird sehr schwierig. Wenn wir die knacken, würde sich keiner wehren. Wir wollen unser Ziel erreichen, in die Champions League zu kommen. Dafür müssen wir alles abrufen", sagte Abwehrchef Willi Orban.
Finkgräfe widmet Premieren-Tor seinem verstorbenen Opa
Egal, wer bei Verletzungen oder Ausfällen nachrückt, das junge Team liefert in der entscheidenden Phase der Saison. Bestes Beispiel Max Finkgräfe, der den angeschlagenen Kapitän David Raum ersetzte. Vor 47.800 Zuschauern hatte er die Leipziger in der 22. Minute mit einem Distanzschuss in Führung gebracht. Es war sein erstes RB-Tor - und ein besonders. "Davon habe ich geträumt. Ich treffe den Ball super und freue mich natürlich sehr. Das Tor geht an meinen Opa. Er ist vor kurzem verstorben. Ich hoffe, er freut sich", sagte der 22 Jahre alte Außenverteidiger und grüßte mit ausgestrecktem Zeigefinger in Richtung Himmel.