Nach dem Hauseinsturz in Görlitz hoffen viele Menschen weiterhin darauf, dass die drei vermissten Menschen in den Trümmern lebend gefunden werden. Fachleuten zufolge könnte das theoretisch zwei Tage nach dem Unglück noch klappen.
"Die sogenannte "goldene Rettungszeit" liegt meist in den ersten 24 bis 72 Stunden – in diesem Zeitraum sind die Überlebenschancen am höchsten", erklärt Andrea Wirth von der Pressestelle des THW-Landesverbandes Sachsen, Thüringen.
Bei den Vermissten handelt es sich um zwei rumänische Touristinnen und einen Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit. Von ihnen fehlt bisher jedes Lebenszeichen. Die Ursache für das Unglück ist weiter unklar.
Überleben abhängig von mehreren Faktoren
Pauschal lasse sich nicht sagen, wie lange Menschen unter Trümmern überleben würden, erläutert Wirth. "Es gibt aber dokumentierte Fälle, in denen Menschen nach mehreren Tagen oder sogar Wochen lebend gefunden wurden." Ein Beispiel ist etwa das verheerende Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet vor mehr als drei Jahren. Dort fanden Einsatzkräfte auch noch Tage nach der Katastrophe Überlebende.
Manche sprechen dann von "Überlebenswundern". "Über "Wunder" kann man nur sagen: Es handelt sich meist um das Zusammenspiel mehrerer günstiger Faktoren", erklärt Wirth. "Für die Gefahrenabwehr wie aktuell in Görlitz gilt: Gesucht wird so lange, wie es realistische Überlebenschancen gibt."
Arzt: Es ist vor allem die Flüssigkeit
Tankred Stöbe, Notfallmediziner von Ärzte ohne Grenzen, erinnert in dem Zusammenhang daran, wie lange ein Mensch überlebt, wenn er nicht mehr essen und trinken kann. "24 Stunden geht das gut, nach 48 Stunden wird es schon schwierig und jede Stunde nimmt es dann ab. Und es ist vor allem gar nicht so sehr das Essen, sondern vor allem die Flüssigkeit."
Wirth ergänzt, dass darüber hinaus unter anderem entscheidend sei, ob Verschüttete Zugang zu Luft hätten. Bei einem Hauseinsturz wie in Görlitz würden häufig sogenannte Überlebensräume entstehen. Das seien "Hohlräume, in denen Menschen eingeschlossen, aber geschützt sein können", erklärt sie. "Das erhöht die Chancen." Auch die Temperatur und die Witterung würden eine Rolle spielen.
Hoffnung als Antrieb
Entscheidend sei auch, wie stark und an welchen Stellen Verschüttete verletzt seien, erklärt Stöbe und nennt blutende Wunden oder die Brust in Bezug aufs Atmen als Beispiele. Besonders wichtig ist dem Arzt nach auch die mentale Situation der verschütteten Person. "Hat ein Mensch, der verschüttet wurde, die begründete Hoffnung, dass er gerettet wird, erhöht das die Überlebenschancen."