Industrie im Wandel
Studie: Viele Firmen erst am Anfang der Dekarbonisierung

Das geplante Wasserstoff-Kernnetz gilt als wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie (Archivbild) Foto: Jan Woit
Das geplante Wasserstoff-Kernnetz gilt als wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie (Archivbild) Foto
© Jan Woitas/dpa
Sachsens Wirtschaft soll bis 2045 klimaneutral werden. Eine neue Studie zeigt jedoch: Viele kleine und mittlere Unternehmen stehen bei der Umstellung noch am Anfang.

Viele kleine und mittlere Unternehmen in Sachsen stehen bei der Umstellung auf klimafreundlichere Produktionsprozesse noch am Anfang. Das geht aus einer Studie zu Dekarbonisierungsoptionen für die sächsische Wirtschaft hervor, die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellt wurde.

Demnach stellt die Umstellung auf CO2-freie Prozesse bis 2045 für viele Betriebe eine technische und wirtschaftliche Herausforderung dar. Während große energieintensive Industrien bereits konkrete Dekarbonisierungsfahrpläne verfolgen, bestehen im Mittelstand noch Unsicherheiten - etwa bei Technologien, Investitionen oder der Rolle von Strom, Wasserstoff und Effizienzmaßnahmen.

Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sieht darin zugleich eine Chance für die Wirtschaft. "Der klimabewusste Umbau unserer Wirtschaft ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern findet bereits statt", sagte Panter. Wer jetzt handele, sichere Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Arbeitsplätze.

Energieverbrauch der Branchen im Blick

Untersucht wurden 19 Wirtschaftszweige sowie Teile des Handwerks. Insgesamt verbrauchen die betrachteten Branchen in Sachsen rund 15,5 Terawattstunden Endenergie pro Jahr, davon sind etwa 42 Prozent bereits elektrifiziert. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch liegt im Freistaat derzeit bei rund 28 Prozent.

Besonders energieintensiv sind laut Studie die Papierindustrie mit etwa 2,2 Terawattstunden jährlich, gefolgt von der Ernährungs- und Getränkeindustrie (2,1 TWh) sowie der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten wie Computern oder Druckern (2,0 TWh).

Um Treibhausgasemissionen deutlich zu senken, müsse der Einsatz fossiler Energieträger wie Erdgas, Öl oder Kohle schrittweise durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden. Als zentrale Hebel gelten Effizienzmaßnahmen, Elektrifizierung sowie der Wechsel zu erneuerbaren Brennstoffen wie Biogas oder grünem Wasserstoff.

Branchensteckbriefe als Orientierung

Die Studie enthält zudem Branchensteckbriefe mit Dekarbonisierungsoptionen etwa für Glas, Keramik, Papier, Chemie und Pharma, Maschinenbau oder die Lebensmittelindustrie. Auch für Handwerksberufe wie Bäcker, Fleischer und Textilreiniger gibt es entsprechende Übersichten.

Panter betonte zudem die Bedeutung der Energieinfrastruktur für die Transformation. "Entscheidend für die Umsetzbarkeit von Dekarbonisierungstechnologien ist die vorgelagerte Energieinfrastruktur", sagte der Minister. Wichtig seien zuverlässige Netzanschlüsse sowie der Zugang zu bezahlbaren grünen Energieträgern.

Die Studie wurde von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München im Auftrag der Sächsischen Energieagentur Saena erstellt.

dpa