Freizeit am Wasser
Jetskis, Tauchen, Grill-Boot: Womit Thüringens Wasser lockt

Bootfahren ist etwa auf dem Alperstedter See bei Erfurt möglich. Foto: Martin Schutt/dpa
Bootfahren ist etwa auf dem Alperstedter See bei Erfurt möglich. Foto
© Martin Schutt/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Vor allem im Sommer suchen viele die Nähe von Wasser. Welche Freizeitaktivitäten wo möglich sind und welche Regionen mit Besonderheiten aufwarten.

Von beschaulichem Naturerlebnis bis zur aktiven sportlichen Herausforderung: In Thüringen gibt es ein breites Angebot an Aktivitäten in, am und auf dem Wasser. „Besonders stark ist der Freistaat bei Wasserwandern, Kanu- und Kajaktouren, Stand-Up-Paddling sowie Outdoor- und Naturerlebnissen am Wasser aufgestellt“, erklärt Theresa Wolff von der Thüringer Tourismus GmbH (TTG). 

Viele Angebote lägen zudem in Natur- und Nationalparks. Daher gebe es oft eine direkte Verbindung von Wasser, unterschiedlichen Aktivitäten und Arten- und Naturschutz.

Dabei hätten sich je nach Region und den dort vorherrschenden landschaftlichen Gegebenheiten bestimmte Schwerpunkte herausgebildet, so Wolff. So gebe es an der Werra und entlang der Saale und Unstrut viele Möglichkeiten zum Wasserwandern – in letzterer Region auch häufig in Verbindung mit Genuss und kulturellen Angeboten. In Großheringen etwa können bewegungsfreudige Feinschmecker ein Weingut mit eigener Anlegestelle für Boote anpeilen.

Vögel beobachten und auf Tauchgänge gehen

Im „Land der 1.000 Teiche“, wie die Region um die Plothener Teiche und das Thüringer Schiefergebirge auch bezeichnet wird, stünden eher ruhige Wassererlebnisse und Aktivitäten wie Vogelbeobachtung im Zentrum. Das Gebiet um Nordhausen sei aufgrund der verbreiteten Kies-Seen vor allem als Tauch-Revier bekannt.

Wachstumspotenzial wird vor allem in den „Erfurter Seen“ gesehen – eine Reihe von Baggerseen im Norden der Landeshauptstadt, die größtenteils heute noch zur Kiesgewinnung genutzt werden, aber mit der Zeit zu Freizeit- oder Naturschutzseen umgewandelt werden sollen. Aktuell gebe es dort drei offizielle Badestellen am Stotternheimer und Alperstedter See sowie dem Nordstrand, erklärt der Projektleiter Erfurter Seen, Christian Bachmann.

Zwischen Zukunftsseen und Jetskis

Nach aktueller Planung soll der Sulzer See das künftige Seenband weiter ergänzen. Dort könne die Renaturierung nach aktueller Prognose zwischen 2035 und 2040 fertiggestellt sein. „Am Ende wird hier das größte Naherholungsgebiet der Region Erfurt entstehen“, so Bachmann. Die öffentliche Wasserfläche werde sich von aktuell rund 350 Hektar auf 500 Hektar erhöhen, das gesamte Gebiet solle dann durch Wander- und Radwege durchgängig begehbar sein.

Doch bis dahin wird es noch dauern: Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass dieses Ziel erst nach 2060 erreicht werden kann, wenn die Kiesförderung weitgehend abgeschlossen ist. Bereits jetzt sei die Nachfrage vor allem bei gutem Wetter sehr groß. Neben einer Wasserski- und Wakeboardanlage am Nordstrand gebe es etwa auch einen Jetski-Verein am Schwerborner See.

Action und Elektro-Zukunft am „Thüringer Meer“

Das wohl umfangreichste Freizeitangebot bietet das „Thüringer Meer“, das vor allem aus der Bleilochtalsperre und dem Hohenwarte-Stausee besteht. Es reicht von Fahrgastschiffen über Bademöglichkeiten bis zum Verleih verschiedenster Boote sowie Stand-Up-Paddling-(SUP)-Boards, erklärt die Geschäftsführerin des Tourismusverbunds Rennsteig-Saaleland, Katrin Pflieger.

Auch zum Windsurfen und Tauchen gebe es Möglichkeiten. Jedes Jahr würden zudem im Schnitt 1.500 Motorboote auf den beiden Seen angemeldet. Hier steht in den kommenden Jahren die größte Veränderung an: Bis 2030 sollen auf den beiden Seen ausschließlich Boote mit Elektroantrieb genutzt werden dürfen. Im vergangenen Jahr sei das erste Fahrgastschiff mit Elektroantrieb in Betrieb gegangen.

Haus-, Sauna- und Grill-Boote

Auch einige der ungewöhnlichsten Angebote rund ums Wasser gibt es hier: Neben Miet-Hausbooten zum Übernachten gebe es mittlerweile auch ein buchbares Saunaboot. Sehr gefragt sei zudem das seit dem vergangenen Jahr angebotene „SaaleSizzle“, so Pflieger. Dabei handelt es sich um ein führerscheinfreies Barbecue-Boot in Donut-Form. 

Das könne dank eines Dachs und einer Heizung sogar im Winter genutzt werden. Obwohl besonders bei gutem Wetter die Parkmöglichkeiten teils an ihre Grenzen stießen, gebe es noch viele Abschnitte mit wenigen Besuchern.

Die vielseitige Nutzung bringe durchaus auch Herausforderungen, so Pflieger: „Während die einen entschleunigte Freizeit suchen, mögen andere mehr Action.“ Nutzungskonflikte zwischen bestimmten Gruppen seien daher nicht ungewöhnlich. Da beide Seen dem Energiekonzern Vattenfall gehörten, sei die Einführung neuer Angebote teilweise recht langwierig. Nicht einfach seien auch die betriebsbedingten Änderungen der Pegelstände der Seen.

dpa