Gesundheitsversorgung
Landarztquote an Uni Jena ab Herbst - Bewerbungsbeginn

17 Medizin- und vier Zahnmedizinstudienplätze an der Universität Jena werden ab Herbst für eine Landarztquote reserviert. (Symbo
17 Medizin- und vier Zahnmedizinstudienplätze an der Universität Jena werden ab Herbst für eine Landarztquote reserviert. (Symbolbild) Foto
© Jan Woitas/dpa
In manchen Regionen Thüringens sind Haus- und Zahnärzte zur Mangelware geworden. Schon Studienanfänger sollen deshalb frühzeitig für eine spätere Tätigkeit in Thüringen gebunden werden.

Im Medizin- und Zahnmedizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird im kommenden Herbst eine Landarztquote eingeführt. Sechs Prozent der Studienplätze in den beiden Fächern werden für Bewerber reserviert, die sich vorab verpflichten, nach ihrem Studium mindestens zehn Jahre in Thüringer Regionen mit Ärztemangel zu arbeiten, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Ihnen werde damit ermöglicht, ein Studium auch ohne Erreichen des Numerus Clausus (NC) in den normalerweise zulassungsbeschränkten Fächern aufzunehmen. Reserviert werden 17 Humanmedizin- und vier Zahnmedizin-Studienplätze.

Online-Bewerbung über Karriereportal

Bewerbungen für die Vorabquoten-Studienplätze sind ab sofort bis zum 31. März möglich. Sie können online über das Thüringer Karriere- und Bewerbungsportal eingereicht werden. Das Auswahlverfahren soll bis Mitte Juli abgeschlossen sein, damit die ersten Studierenden über die Vorabquoten zum Wintersemester 2026/2027 beginnen können. In dem Auswahlverfahren, für das das Landesverwaltungsamt zuständig ist, sollen etwa die Ergebnisse eines fachlichen Eignungstests, bereits absolvierte Ausbildungen in einem Gesundheitsberuf oder Freiwilligendienste sowie die Ergebnisse von Auswahlgesprächen berücksichtigt werden.

Landtagsbeschluss zu Quotenregelung

Die Einführung der Vorabquote war im Sommer 2024 mit dem sogenannten Haus- und Zahnärztesicherstellungsgesetz vom Landtag beschlossen worden. Das Land will damit einem drohendem Ärztemangel in verschiedenen ländlichen Regionen entgegenwirken. Von Unterversorgung betroffene oder bedrohte Gebiete werden vom zuständigen Landesausschuss der Ärzte beziehungsweise Zahnärzte und gesetzlichen Krankenkassen festgelegt – für das Jahr der jeweils möglichen Tätigkeitsaufnahme.

In Thüringen werden nach Daten der Kassenärztlichen Vereinigung derzeit allein 100 Hausärzte für die Niederlassung in Praxen gesucht. In den vergangenen Jahren hatte sich auch die frühere Überversorgung bei Zahnärzten in einen Mangel in bestimmten Regionen gewandelt. Die nun startende Vorabquote dürfte eher langfristig gegen Ärztemangel wirken, Medizinstudium und Facharztausbildung dauern viele Jahre.

Hoffen auf Verwurzelung

Die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Annette Rommel, hofft darauf, dass sich besonders junge Leute mit einer starken Bindung an Thüringen bewerben. "Denn unsere Erfahrung zeigt: Wer hier verwurzelt ist, bleibt häufig und gestaltet die medizinische Versorgung langfristig mit." Die Kassenzahnärztliche Vereinigung verwies darauf, dass Thüringen das erste Bundesland sei, das mit einer solchen Regelung auf die drohende Verschlechterung der Versorgung im zahnärztlichen Bereich reagiert habe.

An der Medizinischen Fakultät Jena beginnen derzeit jährlich 286 junge Leute ein Studium der Humanmedizin und 57 ein Studium der Zahnmedizin.

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dpa