Die Thüringer Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Nach dreijähriger Stagnation bleiben die Unternehmen im Freistaat bei der Beurteilung ihrer Geschäftslage für das erste Halbjahr verhalten. Wie aus der aktuellen Jahresumfrage der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände hervorgeht, erwarten rund 50 Prozent der Betriebe keine Veränderung bei Auftrag, Ertrag und Investitionen. Bis zu 35 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung.
"Es gibt kaum Aufbruch und Investitionslust, das ist Gift für die Konjunktur", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringens (VWT), Matthias Kreft. Die Thüringer Wirtschaft sei zwar stabil, aber unter Druck. Besonders deutlich werde das im produzierenden Gewerbe. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liege mit knapp 74 Prozent deutlich unter dem langjährigen Schnitt. "Dass Produktionskapazitäten vorhanden sind, aber nicht ausgelastet werden, ist ein klares Alarmsignal", so Kreft.
Unternehmen mit Neueinstellungen zurückhaltend
Trotz der konjunkturellen Schwäche bleibe der Fachkräftemangel eines der größten langfristigen Risiken. Fast jedes zweite Unternehmen zweifele daran, seinen Fachkräftebedarf in den kommenden fünf Jahren decken zu können.
Für das erste Halbjahr 2026 erwarten der Umfrage zufolge rund 60 Prozent der Unternehmen, ihre Beschäftigten halten zu können. Rund 28 Prozent gehen demnach von einem Personalabbau aus. Dieser erfolge überwiegend über natürliche Fluktuation. Neueinstellungen blieben selten.
Wenn Nachwuchs zur Mangelware wird
Als besonders kritisch schätzt Kreft die Situation in der Ausbildung ein: In manchen Branchen bleibe bereits jeder dritte Ausbildungsplatz unbesetzt. Es fehle an geeigneten Bewerbern. Dennoch bildeten viele Firmen trotz aller Schwierigkeiten weiter aus.
Als größte Belastung nennen die Unternehmen weiterhin die ausufernde Bürokratie. Lange Genehmigungsverfahren, steigende Berichtspflichten und immer komplexere Regelungen würden Ressourcen binden, die für Innovation und Wachstum fehlten. Notwendig seien ein konsequenter Bürokratieabbau, eine aktive Fachkräfte- und Bildungspolitik, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie verlässliche Investitionsanreize.