Fahrgäste von Bussen und Straßenbahnen in Thüringen müssen sich zu Wochenbeginn erneut auf Ausfälle einstellen und umplanen. Im Tarifkonflikt des kommunalen Nahverkehrs verschärft die Gewerkschaft Verdi die Gangart – und ruft ihre Mitglieder in mehreren Regionen in der kommenden Woche zu einem dreitägigen Warnstreik auf. Von Montag bis einschließlich Mittwoch sollen Verkehrsbetriebe in Jena, Erfurt, Gera, Weimar sowie in den Landkreisen Unstrut-Hainich, Kyffhäuser, Nordhausen, Gotha, Saale-Holzland-Kreis und Weimarer Land bestreikt werden.
Kritik von Arbeitgeberverband
Es sei mit ähnlich großen Ausfällen wie beim letzten Warnstreik Ende Februar zu rechnen, als Busse und Straßenbahnen etwa in Erfurt, Gera und Jena nahezu komplett stillgestanden hatten, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Der kommunale Arbeitgeberverband sieht in dem Aufruf eine Eskalation der Tarifauseinandersetzung durch die Gewerkschaft. Dreitägige Streiks seien völlig unverhältnismäßig und dienten "nur dem Eigeninteresse der Gewerkschaft", wie Verbandsgeschäftsführerin Gundula Bettenhausen erklärte.
Der Tarifkonflikt zwischen Gewerkschaften und kommunalem Arbeitgeberverband zieht sich seit längerem hin. Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen - etwa eine kürzere Wochenarbeitszeit und längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. Am vergangenen Montag war es in der dritten Verhandlungsrunde laut Verdi zu keinem Ergebnis gekommen. Beide Seiten werfen sich gegenseitig mangelnden Einigungswillen vor.
Knackpunkt Arbeitszeit
Die Gewerkschaft kritisierte, die Thüringer Arbeitgeber würden sich einer inhaltlichen Verhandlung über das von den Beschäftigten geforderte Wahlmodell zur Arbeitszeitgestaltung verweigern. Vom kommunalen Arbeitgeberverband hieß es, Verdi beharre auf der Maximalforderung nach Einführung einer 35-Stunden-Woche. Bereits jetzt liege die Wochenarbeitszeit für die Beschäftigten im Nahverkehr mit 38 Stunden unter den für Beschäftigte in Kommunen und Zweckverbänden geltenden 39 Wochenstunden. In der dritten Verhandlungsrunde hätten die Arbeitgeber eine maximale Schichtlänge von 12,5 Stunden anstatt 14 Stunden und eine Mindestruhezeit von 11 Stunden und Entgelterhöhungen von jährlich mehr als zwei Prozent vorgeschlagen.
Der Streikaufruf betrifft konkret die Betriebe EVAG in Erfurt, JNV und JES in Jena und Eisenberg, VBN in Nordhausen, GVB in Gera, die Stadtwerke Weimar, die Regionalbus-Gesellschaften im Unstrut-Hainich-Kreis und im Kyffhäuserkreis, die Stadtbus-Gesellschaften in Mühlhausen und Sondershausen, TWSB Gotha sowie PVG Weimarer Land. Fahrgästen wird empfohlen, sich frühzeitig über Ausfälle und alternative Transportmöglichkeiten zu informieren.
In Jena rechnen die Stadtwerke mit weitgehenden Ausfällen. Betroffen sei auch der Schülerverkehr. Es werde versucht, während der Hauptverkehrszeit am Morgen und bis zum Nachmittag auf einzelnen Strecken einen Notverkehr mit Bussen einzurichten. Auf den Straßenbahnlinien werde dies allerdings nicht möglich sein. Im Saale-Holzland-Kreis könne ein Notfahrplan eingerichtet werden. Fahrgäste sollten sich rechtzeitig auf die Situation einstellen, Schulen im Einzugsgebiet seien informiert worden. Auch in Gera bemühen sich die Verkehrsbetriebe, einen eingeschränkten Notverkehr auf einer Bus- und einer Straßenbahnlinie einzurichten.
Die Erfurter Verkehrsbetriebe arbeiten nach Unternehmensangaben ebenfalls an einem Notfahrplan, das Angebot werde stark eingeschränkt sein.
Nächste Verhandlungsrunde 18. März
Eine zentrale Streikkundgebung wie bei der letzten Arbeitsniederlegung ist diesmal nicht geplant, stattdessen Aktionen vor Ort in den Betriebshöfen, Busdepots und Werkstätten. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 18. März geplant.