VG-Wort Pixel

Köln Vermeintlich sexistische Toilettenkennzeichnungen in Traditionsgaststätte löst Streit aus

Das beliebte Kölner Brauhaus "Em Kölsche Boor"
Das beliebte Kölner Brauhaus "Em Kölsche Boor"
© Rainer Hackenberg / Picture Alliance
Ein Witz oder eine sexistische Beleidigung? Eine Kölner Gaststätte kennzeichnete ihre WCs auf humorvolle Weise, griff damit aber womöglich ins ... Sie wissen schon.

Es ist einer dieser Fälle, bei dem Menschen entweder überhaupt nicht verstehen können, was das Problem sein soll – oder überhaupt nicht verstehen können, wie so etwas jemals zustande kommen konnte, ohne dass jemand einschreitet. In einer beliebten Kölner Gaststätte, dem Brauhaus "Em Kölsche Boor" am Eigelstein, gibt es eine ungewöhnliche Kennzeichnung der Damen- und Herrentoiletten. Auf der Tür zum Herren-WC ist der Schriftzug "Bla" angebracht, bei den Damen hingegen "Bla Bla Bla Bla Bla".

Dabei handelt es sich um eine scherzhafte Anspielung auf das Klischee, dass Frauen angeblich mehr reden als Männer – ein Witz auf Mario-Barth-Niveau, der heute irgendwie angestaubt wirkt und definitiv Geschmackssache ist. Die Toiletten wurden in dieser Form 2020 gestaltet, nachdem die Gaststätte nach einem Brand renoviert werden musste. Es handelt sich also bei dem Gag nicht um ein Relikt aus den frühen 90ern, sondern um eine bewusste Entscheidung der Betreiber:innen. Aber ist die Toilettenbeschriftung sexistisch? Darüber wird in Köln derzeit eifrig diskutiert.

Sexistischer Witz bei WC-Kennzeichnung erhitzt die Gemüter

Wie der Kölner "Express" berichtet, gab es sogar Kritik von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Bettina Mötting. Sie beurteilt die  Schriftzüge auf den WC-Türen als "diskriminierend" und sagt, sie finde es schade, "dass sich Gastronom:innen heutzutage keine kreativeren Lösungen für den Toilettenbereich einfallen lassen und demnach auf altbekannte Klischees und Stereotype zurückgreifen. "Ich würde mir wünschen, dass sich die Gesellschaft allmählich von diesen platten Geschlechterklischees verabschiedet." Die Gleichstellungsbeauftragte stellt außerdem klar, dass es keine "wissenschaftliche Grundlage" für das hartnäckige Gerücht gebe, Frauen redeten mehr als Männer. 

Dabei ist die Chefin des Brauhauses selbst eine Frau. Inhaberin Melanie Schwartz kommentiert die Toiletten-Affäre im "Express": "Wir fanden das einen Gag, die Überspitzung eines Klischees – zum Schmunzeln." Und auch die Kirche schien sich nicht an dem WC-Witz zu stören, zumindest wurde die Gaststätte nach der Renovierung im Jahr 2020 vom Kölner Domkapitular Dominik Meiering persönlich mit Weihwasser gesegnet. Allerdings ist die katholische Kirche ja nun auch nicht unbedingt DER Vorreiter in Sachen Feminismus und Gleichberechtigung.

Quelle: "Express"

wt

Mehr zum Thema