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5-Sekunden-Regel Ist auf den Boden gefallenes Essen noch genießbar?

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Viele, vorzugsweise männliche Erdbewohner schwören auf die Fünf-Sekunden-Regel. Also darauf, dass heruntergefallenes Essen nach minimaler Zeit am Boden noch genießbar ist. Doch was ist dran an der Legende, die auffallend oft in US-Serien verbreitet wird?


Was ist "Fragen. Verstehen."?
 

Woche gibt es neue, spannende Themen in der Wissenschaft. Doch verstehen kann sie kaum einer. Außer Christoph Koch, Leiter des Wissenschaftsressorts beim stern. Stellvertretend für all die Ahnungslosen befragt stern-Reporter Thilo Mischke seinen Kollegen. Zu aktuellen, aber auch fundamentalen Erkenntnissen der Wissenschaft. Und bekommt hoffentlich eine verständliche Antwort. Ganz getreu dem Namen des Magazins: Fragen. Verstehen.
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Platsch! Landen Lebensmittel auf dem Boden, ist das ärgerlich. Kann man Eis, Kekse und Brote noch essen, wenn man sie schnell vom Boden aufhebt?

Fallen Lebensmittel auf den Boden, ist Eile gefragt – das besagt zumindest die 5-Sekunden-Regel. Schenkt man ihr Glauben, ist es okay, Lebensmittel zu essen, die weniger als fünf Sekunden auf dem Boden lagen. Laut Theorie haften dann keine Keime am Lebensmittel, und der Verzehr ist unbedenklich.

Doch stimmt das wirklich?

Leider nein. Kommen Eis oder Butterbrot mit Oberflächen in Berührung, bleiben Bakterien haften – egal wie lange das Lebensmittel auf dem Boden lag. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Rutgers University in New Jersey.

In einer Studie testeten die Forscher vier verschiedene Bodenoberflächen: Stahl, Keramikfliesen, Holz und Teppich. Darauf warfen sie Stücke einer Wassermelone, Brot, Brot mit Butter oder Gummibärchen. Die Lebensmittel ließen sie unterschiedlich lange auf den verschiedenen Oberflächen liegen: weniger als eine Sekunde, fünf Sekunden, 30 oder 300.

Das Ergebnis: Die Dauer der Kontaktzeit spielte nur einen geringen Einfluss, ob und wie viele Bakterien auf dem Essen hafteten. Bereits nach weniger als einer Sekunde Kontaktzeit klebten Bakterien an den Lebensmitteln – und zwar umso mehr, je feuchter das Lebensmittel war. "Bakterien haben keine Füße",  erklärt der Lebensmittelwissenschaftler Donald Schaffner in einer Mitteilung zu der Studie. "Sie bewegen sich in Flüssigkeit. Je feuchter das Lebensmittel ist, umso höher ist das Risiko einer Übertragung."

Auf der Wassermelone tummelten sich die meisten Keime

Auf der feuchten Melone zählten die Wissenschaftler die meisten Keime, während die Gummibärchen vergleichsweise wenig belastet waren. Und auch die Bodenoberfläche selbst scheint eine Rolle zu spielen: Teppich scheint die Übertragung zu hemmen, während die Stahl- oder Keramikoberfläche die Keimübertragung eher begünstigte.

Was also tun, wenn ein Lebensmittel auf dem Boden landet? Dann hilft es, abzuwägen: Ein frisch gewischter Parkettboden birgt vermutlich weniger Keime als eine Fußmatte, der Platz vor dem heimischen Fernseher weniger als eine öffentliche Hundewiese. Ein Restrisiko für eine Keimübertragung besteht jedoch immer.

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ikr

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