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78 Minuten Herzstillstand Warum Fußballprofi Fabrice Muamba überlebte


Es klingt wie ein Wunder: Das Herz von Fabrice Muamba stand 78 Minuten still. Trotzdem überlebte der Fußballprofi das plötzliche Herzversagen. Ein Kardiologe erklärt warum.
Von Martina Janning

Der Fußballprofi Fabrice Muamba von den Bolton Wanderers bricht während eines Spiels bewusstlos zusammen. Sein Herz steht still. Notärzte eilen herbei, legen einen Defibrillator an und verabreichen Muamba 15 Stromstöße. Keine Reaktion. Der 23-Jährige wird in ein Krankenhaus gebracht. Erst dort, ganze 78 Minuten nach dem Zusammenbruch, beginnt das Herz des Fußballers wieder zu schlagen. So geschehen am vergangenen Wochenende in England im FA-Cup-Viertelfinale bei Tottenham Hotspur. "Wenn ich jemals das Wort Wunder gebrauchen würde, dann trifft es auf diesen Fall zu. Er hat eine bemerkenswerte Genesung hinter sich", sagte Andrew Deaner, Kardiologe an dem Londoner Krankenhaus, dem Fernsehsender BBC.

Von einem "Wunder" möchte Hans-Joachim Trappe, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, nicht sprechen. "Es war eine grandiose Leistung der Ärzte, die Muamba reanimiert haben." Sie hätten schnell, richtig und konsequent gehandelt. "In Deutschland hätte das nicht in jedem Fall so gut geklappt. Schon allein, weil es nicht in allen Fußballstadien Defibrillatoren gibt", sagt der Kardiologe. Diese Geräte können Herzrhythmusstörungen durch Elektroschocks beenden und so einen Tod durch plötzliches Herzversagen verhindern. Defibrillatoren, die jeder bedienen kann, gibt es seit einigen Jahren auch in öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Bahnhöfen oder Flughäfen. Sie sollen helfen, Leben zu retten. Denn "ein plötzliches Herzversagen, wie Muamba es erlitt, überleben nur etwa zehn Prozent der Betroffenen. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr etwa 100.000 Menschen an einem plötzlichen Herzstillstand", erklärt Herzspezialist Trappe. Denn die Defibrillation müsse schnell erfolgen. Jede Minute ohne Elektroschock verringere die Überlebenschancen um zehn Prozent.

Herzdruckmassage rettete Muambas Leben

Dass Muambas Herz auch nach 15 Stromstöße nicht wieder zu schlagen begann, sei in der Tat sehr ungewöhnlich, sagt Trappe. Er vermutet, dass Muamba an einer angeborenen Herzrhythmusstörung leiden könnte, die bisher unbemerkt blieb. Das sei nicht ungewöhnlich, da diese Krankheit sogar bei einer Herzuntersuchung durch ein Elektrokardiogramm (EKG) sehr oft nicht auffalle.

Sein Leben verdankt Muamba der Herzdruckmassage, die die Ärzte einsetzten, nachdem die Elektroschocks nichts brachten. "Dabei wird der Brustkorb hundert Mal pro Minute eingedrückt - und zwar acht bis zehn Zentimeter tief. Rippenbrüche nimmt man billigend in Kauf", sagt Trappe. Die Herzdruckmassage übernimmt die Arbeit des Herzens und pumpt das Blut in alle Organe. Das ist für das Gehirn besonders wichtig, da es nach einem Herzstillstand sehr empfindlich reagiert. Schon nach etwa zehn Minuten ohne Sauerstoffversorgung kann es bleibende Schäden geben.

Muamba jedoch scheint das Herzversagen gut überstanden zu haben. Bereits am Montagabend hatte sein Verein mitgeteilt, dass Muamba selbstständig ohne Beatmungsgerät atmen würde und bei Bewusstsein sei. Ob Muama jemals wieder als Spieler ein Fußballstadion betreten wird, ist ungewiss. Herzspezialist Trappe schließt das aber nicht aus. "Möglicherweise kann er mit einem implantierten Defibrillator wieder Fußball spielen." Ein lebendes Beispiel dafür ist der belgische Fußballprofi Anthony Van Loo.


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