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Aids: HIV-Infektionen sprunghaft gestiegen

Die Zahlen sind alarmierend: Zwanzig Prozent mehr Deutsche als im Vorjahr infizierten sich im ersten Halbjahr 2005 mit dem tödlichen HI-Virus. Experten vermuten als Grund, dass immer weniger Menschen beim Sex Kondome verwenden.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2005 sprunghaft angestiegen. Nach den jüngsten Berechnungen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) steckten sich von Januar bis Juli 1164 Menschen neu mit dem Aids-Virus an - rund 20 Prozent mehr registrierte Fälle als im ersten Halbjahr 2004. Es seien auch die meisten Neuansteckungen seit Beginn der detaillierten Berechnungen des Instituts im Jahr 1993, sagte RKI-Experte Ulrich Marcus. Nach wie vor infizieren sich vor allem homosexuelle Männer: Diese Gruppe macht fast 60 Prozent der neu diagnostizierten Fälle aus. Ihr Infektionsrisiko sei derzeit so groß wie nie in den vergangenen zwölf Jahren.

"Die Entwicklung bei diesen vermeidbaren Infektionen gibt Anlass zur Sorge", sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Kurth. Es sei weiter nötig, darüber aufzuklären, dass es auch bei verbesserter Therapie keine Heilung der Erkrankung gebe, sagte Kurth. Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sprach von einer ernsten Entwicklung. Leider werde HIV/Aids zu oft nicht mehr als lebensbedrohend wahrgenommen, erklärte die SPD-Politikerin. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verwies auf Wissenslücken über den Schutz vor einer Infektion gerade bei jüngeren Menschen. Es sei höchste Zeit, auch in Deutschland wieder das Bewusstsein für die Gefahren zu schärfen und die Aufklärung zu stärken, sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott.

Die meisten Infizierten leben in Großstädten

Als Grund für das wieder wachsende Infektionsrisiko gab das Robert Koch-Institut an, immer weniger Menschen seien bereit, beim Sex Kondome zu verwenden. Dies gelte besonders beim Sex mit neuen und noch unbekannten Partnern. HIV-Experte Ulrich Marcus vermutet auch, dass sich homosexuelle Männer auch zu stark auf regelmäßige Aids-Tests verlassen. "Diese Tests schützen nicht vor Ansteckung", betonte er. Wirksamen Schutz gebe es nur durch "safer sex".

Die höchsten Raten neu diagnostizierter HIV-Infektionen werden nach Angaben des Instituts in der Altersgruppe der 25- bis 45-jährigen Männer beobachtet. Das Risiko einer Infektion sei für Männer etwa 7,5 Mal größer als für Frauen. Frauen infizierten sich am häufigsten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Die meisten neu diagnostizierten HIV-Fälle gab es in Großstädten wie Köln, Berlin, München, Hamburg oder Frankfurt am Main. Doch auch Münster oder Mannheim weisen im Vergleich zu den Vorjahren deutliche Steigerungen bei Erstdiagnosen auf. In den ostdeutschen Städten Leipzig, Dresden oder Halle liegen die Zahlen der HIV-Neuansteckungen inzwischen ähnlich hoch wie im Westen. Die wenigsten Neuinfektionen gibt es dagegen in den bevölkerungsarmen östlichen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt. Im Westen weist Niedersachsen eine ähnliche geringe Quote auf.

DPA/RTR / DPA
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