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Alkoholismus: Forscher: Alkoholismus wahrscheinlich auch genetisch bedingt

Alkoholismus ist möglicherweise auch genetisch bedingt. Forscher haben einen zentralen Baustein in der genetischen Struktur entdeckt, der möglicherweise für den ungezügelten Griff zur Flasche verantwortlich ist.

Alkoholismus ist nach einer neuen Studie möglicherweise auch genetisch bedingt. Wissenschaftler am GSF- Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit und am Max-Planck- Institut in München haben einen zentralen Baustein im Organismus von Mäusen entdeckt, der für Stress und damit vielleicht auch für den ungezügelten Griff zur Flasche verantwortlich ist. «Das gibt uns einen Einstieg, auch beim Menschen zu schauen, ob bei Problemfällen Veränderungen in der genetischen Struktur auftreten», sagte der Entwicklungsgenetiker Wolfgang Wurst in einem dpa-Gespräch.

Gemeinsam mit der Forscherin Inge Sillaber vom Max-Planck-Institut und weiteren zehn Mitarbeitern untersucht der 48-jährige Wurst seit sechs Jahren Mäusegene. In einem Versuch setzte das Team mutierte Mäuse und genetisch unveränderte Artgenossen Stresssituationen aus. Danach hatten die Tiere jeweils die Wahl zwischen Alkohol und Wasser. «Nach wenigen Tagen tranken die mutierten Mäuse immer mehr Alkohol, die anderen blieben beim Wasser», sagte Wurst.

Dies könne auch beim Menschen erklären, dass der eine mit Stress weniger umgehen könne, der andere mehr: «Bei alkoholkranken Menschen funktioniert wahrscheinlich die Regulation der Stresshormone nicht so gut», sagte Wurst.

Frühkindliche Erfahrungen haben Einfluss auf Alkoholkonsum

Neben diesen genetischen Faktoren haben nach den Worten des Wissenschaftlers auch frühkindliche Erfahrungen einen großen Einfluss auf den späteren Umgang mit Alkohol. Tiere etwa, die sehr schnell von ihrer Mutter getrennt worden seien, hätten eher zu unmäßigem Alkoholkonsum und Symptomen von Depression geneigt, sagte der Wissenschaftler. «Wir müssen immer auch zwischen Umwelt- und genetischen Einflüssen unterscheiden: Nicht jeder in einer Stresssituation greift gleich zur Flasche», betonte er.

Bei möglichen neuen Behandlungswegen auf Grundlage dieser Erkenntnisse gab sich Wurst vorsichtig. «Was die Umwelteinflüsse betrifft, sollten derartige schlimme Erfahrungen Neugeborenen einfach nicht zugemutet werden», sagte er. Wenn genetische Veränderungen bei Alkoholikern konkret nachgewiesen würden, könne über bestimmte Medikamente nachgedacht werden.

Pille gegen Alkoholismus nicht in naher Zukunft

Es könne durchaus sein, dass Alkoholikern in 20 Jahren zusätzlich zum Therapeuten-Besuch eine Untersuchung der DNA-Struktur empfohlen werde. Gleichwohl sei die gesamte Vielfalt der Möglichkeiten, die zu der Krankheit führe, noch lange nicht bekannt. «Wir haben jetzt gerade mal ein Gen in einem sehr komplexen System untersucht», sagte Wurst. Ein kurzer Gang zum Arzt werde die Krankheit auch künftig nicht aus dem Weg räumen. «Die Pille gegen Alkoholismus wird es in naher Zukunft nicht geben.»

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