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Auge: Scharfe Sicht dank Laser

Wie eine Buchseite klappt Professor Thomas Kohnen die abgetrennte Hornhaut des Auges nach außen. „Schauen Sie einfach weiter auf den roten Punkt. Ich beginne gleich mit dem Laser“.

Wie eine Buchseite klappt Professor Thomas Kohnen die abgetrennte Hornhaut des Auges nach außen. „Schauen Sie einfach weiter auf den roten Punkt. Ich beginne gleich mit dem Laser“, sagt der Oberarzt an der Klinik für Augenheilkunde der Universität Frankfurt zu seiner Patientin Bettina Kohlhaas. Von ihrem Gesicht sieht er nur das rechte Auge, das mit einer Lidsperre offen gehalten wird. Der Rest ist mit einem sterilen blauen Tuch bedeckt.

Fünf Minuten zuvor hatte die 33-Jährige noch im kleinen Vorbereitungszimmer vor dem Operationsraum auf einem Stuhl gesessen und sich von Kohnen den Ablauf der Laseroperation erzählen lassen. Die Frau ist stark kurzsichtig, Kontaktlinsen verträgt sie nicht, und eine Brille möchte sie nicht mehr tragen. Nach sieben Monaten Bedenkzeit hat sie sich schließlich für eine Operation entschieden. „Ich habe schon Angst. Der Gedanke ist mir unheimlich, dass jemand was an meinem Auge macht“, sagt sie. Den beruhigenden Worten des Arztes hört sie daher gerne zu. Das Lasern selbst würde nicht einmal eine Minute dauern, erzählt Kohnen. Die Operation habe er schon etwa 2000 Mal erfolgreich durchgeführt.

In der Frankfurter Uniklinik werden derartige Fehlsichtigkeiten fast ausschließlich mit dem so genannten LASIK-Verfahren operiert. LASIK ist die Abkürzung für „Laser in situ Keratomileusis“, was so viel bedeutet wie „Formveränderung der inneren Hornhaut durch Laser“. Im Gegensatz zu anderen Operationsmethoden wird hierbei das Innere der Hornhaut abgeschliffen und nicht deren Oberfläche.

LASIK hat Kohnen im Gegensatz zu anderen Verfahren nur sehr wenige Nebenwirkungen wie etwa leichte Schmerzen oder gerötete Augen. Das bestätigt auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands in Düsseldorf. Nach dessen Angaben sind die LASIK-Operationszahlen seit etwa Mitte der 90er Jahre stark gestiegen. 2001 ließen sich 60 000 Menschen in Deutschland auf diese Weise ihre Augen korrigieren, für dieses Jahr rechnet der Verband sogar mit einer 50-prozentigen Steigerung.

LASIK sei zur Zeit das modernste Verfahren und werde weltweit bei der Korrektur von Sehfehlern am häufigsten angewandt, heißt es von dem Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR) mit Sitz im bayerischen Türkenfeld. Die Komplikationsrate liege bei fachgerecht ausgeführten Operationen im Promillebereich. „Leider gibt es auch schwarze Schafe. Wenn der Patient beim Beratungsgespräch das Gefühl hat überredet zu werden, sollte er zu einem anderen Arzt gehen“, sagt eine Sprecherin. Außerdem sollten die Operationskosten nicht zu niedrig sein. Im Durchschnitt koste die LASIK-Operation eines Auges in Deutschland 2000 Euro.

Die geringen Risiken dieser Methode überzeugten schließlich auch Bettina Kohlhaas von dem Eingriff. Bei der Operation setzt Professor Kohnen das mit einer Klinge versehene Mikroskop auf das Auge und schneidet die Hornhaut so weit kreisförmig ein, bis er sie nach außen wegklappen kann. Der Laser wird angesetzt und schleift 26 Sekunden lang etwa fünf hundertstel Millimeter der inneren Hornhaut ab. Dann wird die Hornhaut wieder zurück geklappt, und das gleiche Procedere wiederholt sich am anderen Auge.

Nach 15 Minuten ist die gesamte Operation beendet. Bettina Kohlhaas sieht ihre Umgebung nur verschwommen, mit schwankenden Schritten läuft sie neben einer Krankenschwester nach draußen. Im Wartezimmer ruht sie sich ein wenig aus, es folgt eine Nachuntersuchung, dann darf die Frau in Begleitung ihres Mannes nach Hause gehen. Die nächsten sechs Stunden soll sie die Augen möglichst geschlossen halten. Ihre Chancen, dass sie künftig keine Brille mehr tragen muss, liegen bei über 90 Prozent. Für die Operation beider Augen zahlt sie rund 3600 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Einen Tag nach der Operation kommt Bettina Kohlhaas zur Nachuntersuchung in die Uniklinik. Sie würde immer noch etwas verschwommen sehen, Schmerzen hätte sie aber nicht gehabt, erzählt sie. Nur die Augen hätten ein wenig getränt. Laut Kohnen dauert es etwa zwei bis fünf Tage, bis die Patienten gut sehen können. „Ich habe mir die Operation anders vorgestellt“, sagt seine Patientin: „Ein Besuch beim Zahnarzt ist schlimmer.“

Sabine Maurer / DPA

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