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Blutkonserven: Wie aus A und B Blutgruppe 0 werden kann

Blutkonserven können Leben retten - wenn das Spenderblut die richtige Blutgruppe hat. Doch gerade beim universell einsetzbaren Typ-0-Blut herrscht Mangel. Dank neuer Technologie könnten Patienten bald bislang unverträgliche Konserven erhalten.

Ein biologischer Trick kann möglicherweise den verbreiteten Mangel an Blutkonserven lindern: Forscher haben eine Methode gefunden, um die unverträglichen Bestandteile einer Blutgruppe zu entfernen. Damit könnten sich künftig auch bislang unverträgliche Blutkonserven einem Patienten übertragen lassen - etwa Blutgruppe A auf Blutgruppe B. Forscher um Qiyong Liu vom Biotechnik-Unternehmen ZymeQuest in Beverly, Massachusetts, stellen die Technik im Fachjournal "Nature Biotechnology" vor. Sie ist allerdings noch nicht klinisch getestet. Gemäß den Statuten des Journals erklären die Autoren einen finanziellen Interessenkonflikt.

Blutzellen tragen an ihrer Oberfläche zahlreiche verschiedene Eiweißmoleküle. Sie definieren die Blutgruppen A, B und 0. Eine Blutspende vom Typ A kann nicht auf einen Patienten der Gruppe B (und umgekehrt) übertragen werden. Geschieht es doch, stößt das Immunsystem des Empfängers die Spende fast augenblicklich ab - mit tödlichen Folgen.

Der Blutgruppe 0 hingegen fehlen die hinderlichen Oberflächenmoleküle - Typ-0-Blut kann daher sowohl einem Patienten mit Blutgruppe A als auch einem mit Blutgruppe B gegeben werden. Viele, vor allem kleine Krankenhäuser, legen daher nur Vorräte vom Typ 0 an - doch davon gibt es häufig zu wenig. Der Gruppe um Liu gelang nun, die hinderlichen Moleküle der A- und B-Blutgruppen zu entfernen.

Bakterien entfernen die störenden Moleküle

"Wenn klinische Tests zeigen, dass die so veränderten Zellen sicher und effektiv übertragen werden können und der Prozess günstig genug ist, könnte das einen großen Schub für die Blutversorgung bringen", schreibt Geoff Daniels vom Bristol Institute für Transfusionsforschung in Großbritannien in einem Begleittext. "Wir warten mit Spannung auf die Resultate."

Die Gruppe um Liu suchte in zahlreichen Bakterien nach Enzymen, die die Oberflächenmoleküle der A- und B-Zellen entfernten. Fündig wurden sie schließlich in den Bakterien Elizabethkingia meningosepticum und Bacteroides fragilis. Die Forscher produzierten diese Enzyme künstlich in großer Menge und gaben sie in ihren Experimenten zu jeweils 200 Millilitern Blut. Nach einer Stunde fanden sich keine störenden Moleküle mehr auf den roten Blutkörperchen, heißt es in "Nature Biotechnology".

DPA / DPA
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